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»Der Dritte Weg« zog mit Fackeln und Trommeln durch Fulda

Bereits seit den 1970er Jahren bestehen in Osthessen neonazistische Strukturen

  • Von Peter Nowak, Fulda
  • Lesedauer: 3 Min.

Am Samstagnachmittag herrschte Ausnahmezustand im osthessischen Fulda. Bei frühlingshaften Temperaturen hatten sich an verschiedenen Plätzen in der Innenstadt mehr als 1500 Menschen versammelt. Bühnen waren aufgebaut, auf denen sich Reden und Musik abwechselten. Der Grund dafür war der Aufmarsch der neonazistischen Kleinstpartei »Der Dritte Weg«. Unter dem Motto »Ein Licht für Dresden in Fulda« mobilisierte die Neonazipartei zum zentralen Gedenktag für die Toten der Bombardements der Alliierten gegen Hitlerdeutschland in Osthessen.

Es waren allerdings nur knapp 130 Rechte gekommen, die sich um 15 Uhr auf dem Platz Unterm Heiligen Kreuz, der bis zum Ende des NS-Regimes Adolf-Hitler-Platz hieß, versammelt hatten. Nach mehreren nationalistischen Reden setzte sich der Zug der Rechten mit Trommelwirbel und Fackeln in Bewegung.

Die Stadt Fulda hatte im Vorfeld versucht, mit einem umfangreichen Auflagenkatalog dem Aufzug der Rechten Grenzen zu setzen. So sollten Trommeln und Fackeln verboten werden. Doch das Kasseler Verwaltungsgericht hatte zahlreiche dieser Vorgaben gekippt. Die Auflage, die den Rechten das Abspielen von Sirenengeräuschen während des Marsches untersagte, wurde vom Gericht jedoch bestätigt.

Dafür läuteten zu Beginn der rechten Demonstration in ganz Fulda aus Protest die Kirchenglocken und die antifaschistischen Parolen waren nicht zu überhören. An vielen Stellen hatten sich Nazigegner*innen mit Transparenten, selbst gemalten Schildern und Trillerpfeifen postiert. Die Gruppe »Omas gegen rechts« war ebenso vertreten wie die Linksjugend Solid und »Die Partei«.

An mehreren Stellen versuchten Antifaschist*innen, mit Blockaden den rechten Marsch aufzuhalten. Zwei Aktivisten wurden kurzzeitig festgenommen. Gegen 20 Uhr erreichte der rechte Demozug mit einem großen Polizeiaufgebot den Fuldaer Hauptbahnhof, wo ein Großteil der Teilnehmer*innen die Heimreise antrat. Denn nur ein kleiner Teil der Rechten kam aus Osthessen, wo seit Jahrzehnten neonazistische Strukturen bestehen.

Mitte der 1980er Jahre hatte sich eine »Wehrsportgruppe Fulda« um den bekannten Neonazi Thomas Brehl gegründet. Wie heute »Der Dritte Weg« propagierten der 2010 verstorbene Brehl und seine Kumpane einen »nationalen Sozialismus«. Bereits in den 1970er und 1980er Jahren gab es in der Gegend rund um das Mittelgebirge Rhön sogenannte »Winterlager« der später verbotenen Wiking Jugend, schreibt die Fuldaer LINKE in einer Erklärung. Zudem seien im Landkreis Fulda seit Jahren Plakate zu den »Gedenkmärschen« für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß geklebt und zu Naziaufmärschen nach Wunsiedel ins bayerische Fichtelgebirge mobilisiert worden, wo Heß begraben wurde.

Auch »Der Dritte Weg« ist bereits seit längerem in Fulda aktiv. Im Juni 2017 postete die Neonazipartei auf ihrer Homepage Fotos von einer Streife auf einen Fuldaer Stadtfest. Die »Fuldaer Zeitung« berichtete von Flyern in verschiedenen Briefkästen, in denen die selbst ernannten Heimatschützer dazu aufriefen, Streifen gegen angebliche Ausländerkriminalität zu bilden.

Mehrere Redner*innen auf den verschiedenen Bühnen der Protestveranstaltungen gingen am Samstag auch auf den hohen Stimmenanteil der AfD in Osthessen ein. Der frühere Zögling des langjährigen Fuldaer Oberbürgermeisters und CDU-Rechtsaußen Alfred Dregger, Martin Hohmann, war 2003 wegen einer als antisemitisch empfundenen Rede aus der CDU ausgeschlossen worden und sitzt jetzt für die AfD im Kreis- und Bundestag. »Mit diesen Rechten sind wir tagtäglich konfrontiert und sie haben im osthessischen Raum durchaus Sympathien bis in Kreise der CDU-Wähler*innen«, meinte eine Demonstrantin, die sich auf ihrem Plakat für eine offene Gesellschaft einsetzte.

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