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»Alles« muss besser werden

Der FC Bayern zweifelt vor dem Auftritt in der Champions League beim FC Liverpool an sich

  • Von Maik Rosner, Augsburg
  • Lesedauer: 4 Min.

Übers Wochenende hatte sich die Stimmung beim FC Bayern wieder deutlich aufgehellt. Als ein Beleg dafür konnte sogar eine kleine PR-Aktion herangezogen werden. Spaß, das ließ sich jedenfalls beim Blick in die Gesichter annehmen, hatte die Münchner Eigenwerbung den Hauptdarstellern Manuel Neuer, Robert Lewandowski, Thomas Müller und Mats Hummels bereitet - als sie mit Pilzkopfperücken über den Trainingsplatz schritten und die Beatles nachstellten. Wie John Lennon, Paul McCartney, Ringo Starr und George Harrison von der berühmtesten Band aus Liverpool auf dem Cover ihres Albums Abbey Road überquerte das Quartett als »The Bayerns« einen Zebrastreifen. Zwar in Trainingsklamotten statt in Schlaghosen, aber heiterer als im Original.

Dass zudem der Name des ersten Albumsongs »Come together« (kommt zusammen) die Anleihe der Münchner zierte, ging nach dem erneut instabilen 3:2 (2:2)-Arbeitssieg beim FC Augsburg durchaus als Aufforderung an sich selbst durch. Er könne garantieren, dass es in Liverpool »nicht schön« werde, falls seine Mannschaft ähnlich sorglos, löchrig und unkoordiniert verteidige wie beim kleinen FCA, hatte Niko Kovac in einer düsteren Prophezeiung mittelschwer verstimmt zu bedenken gegeben.

Doch auch beim Trainer dürfte der Zorn einer vagen Zuversicht gewichen sein, als ihn die Mediziner am Sonnabend mit der Nachricht beglückten, dass das linke Sprunggelenk des zweifachen Torschützen Kingsley Coman doch nicht stärker in Mitleidenschaft gezogen worden und er eine Option für Liverpool sei. Das war schon deshalb sehr erfreulich für Kovac und den gesamten Verein, weil sich Coman als so ziemlich einziger Spieler bei der Generalprobe als formstark genug präsentiert hatte, um die Hoffnung der Bayern auf ein gutes Ergebnis an der Anfield Road zu nähren, ehe Jürgen Klopps Reds am 13. März zum Rückspiel in München erwartet werden.

Nach den Eindrücken aus Augsburg und den vorangegangenen fünf Partien des Jahres, in denen die Bayern nie ohne Gegentor geblieben waren, wirkte es allerdings etwas überhöht, als Niklas Süle von riesiger Vorfreude auf Liverpool bei allen Münchnern sprach. »Das ist eine Wahnsinnschance zu zeigen, was für eine Mannschaft wir sind. Wir können ein Zeichen setzen, dass mit uns zu rechnen ist«, sagte der in Augsburg ebenfalls mehrfach wacklige Innenverteidiger. Das klang mehr nach Hoffnung auf einen Anfield-Effekt durch die besondere Motivation denn nach echter Zuversicht, die defensiven Fehler zu minimieren. Zehn Gegentore in den sechs Spielen des Jahres 2019 sind bereits zusammengekommen.

Am Freitagabend hatte der Auftrag von Kovac, endlich mal wieder zu Null zu gewinnen, bereits nach 13 Sekunden storniert werden müssen - bezeichnenderweise durch das schnellste Eigentor der Bundesligageschichte. Vom Anstoß weg hatten sich die Augsburger zur Führung kombiniert und dabei die Münchner Defensive auf fast schon groteske Weise entblößt. Dass Leon Goretzka die Hereingabe von Philipp Max, der Joshua Kimmich im Rücken weit enteilt war, mit dem Schienbein ins eigene Tor lenkte, fügte sich ins Bild der chronischen Anfälligkeit. Nicht gerade vorteilhaft geriet zudem der Umstand, dass diese beim schnellen 0:1 planmäßig seziert worden war. Augsburgs Trainer Manuel Baum hatte seine Belegschaft auf die Schwachstellen der Anordnung von Kovac beim Anstoß hingewiesen und den Spielzug im Abschlusstraining einstudieren lassen. Als dieser wie geübt im Wettkampf klappte, »musste ich schon ein bisschen schmunzeln«, erzählte Max. Auch Baum lachte sich ins Fäustchen.

»Die Gegentore waren Wahnsinn«, sagte dagegen Bayerns Kapitän Manuel Neuer, der nach seiner Daumenverletzung vor gut zwei Wochen ins Tor der Bayern zurückgekehrt war. Denn auch vor Dong-Won Jis zwischenzeitlichem 2:1 (23.) durfte Max den Ball ziemlich ungestört von links in die Mitte hereingeben. Wirklich milde stimmen konnte es auch Kovac nicht, dass Coman zweimal ausglich (17./45.+3) und David Alaba noch den Sieg herbeiführte (53.), der die Bayern zumindest vorübergehend bis auf zwei Punkte an den Tabellenführer Borussia Dortmund heranbrachte. Was in Liverpool besser werden müsse? »Alles«, antwortete Kovac so knapp wie präzise. Wenn man wie in Augsburg die Gegenspieler laufen lasse, vor allem das rasante Offensivtrio Mohamed Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino, »dann befinden wir uns alle paar Minuten in einer brenzligen Situation«.

Es ist vor allem eine Bestätigung der übergeordneten Erkenntnis aus der ersten Saison unter Kovac gewesen, die in Augsburg zu bestaunen war. Als konstant instabil, nicht kompakt genug und ohne hinreichende Sicherungssysteme lässt sich diese Erkenntnis umschreiben, was eher die Zweifel bestärkte als das bayerische Selbstbewusstsein. Vielleicht wird Kovac deshalb jene Startelf überdenken, die er in Augsburg aufgeboten hatte und die sich vermutlich für Liverpool einspielen sollte. Durchaus möglich, dass nun an der Anfield Road Javier Martínez als Sechser beginnen darf. Gewissermaßen als Stoppschild vorm Zebrastreifen der Münchner Viererkette.

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