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Von gefeierten Helden zu verfolgten Helfern

Wanderausstellung im nd-Gebäude zeigt die gefährliche Arbeit von privaten Seenotrettungsorganisationen auf dem Mittelmeer

  • Von Florian Brand
  • Lesedauer: 3 Min.

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Unter dem Motto »Kein Land in Sicht für die Seenotrettung« zeigt die Tageszeitung »neues deutschland« vom 18. Februar bis zum 11. März eine Wanderausstellung über private Seenotrettung auf dem Mittelmeer. Vor rund 60 Interessierten berichteten kurz nach der Eröffnung der Ausstellung am Montag die Flüchtlingshelferin Sarah Mardini, der Kapitän des Rettungsschiffes »Lifeline« Claus-Peter Reisch, sowie der geflüchtete syrische Musiker Walid Habash von ihren Erfahrungen auf dem Mittelmeer sowie dem Umgang mit Helfer*innen und deren Kriminalisierung in der öffentlichen Debatte durch staatliche Akteure.

Sowohl die Leistungsschwimmerin Mardini, die im Jahr 2015 gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Yusra während ihrer Flucht über das Mittelmeer 18 Menschen das Leben rettete, als auch »Lifeline«-Kapitän Reisch sehen sich derzeit Ermittlungen der griechischen beziehungsweise maltesischen Strafverfolgungsbehörden ausgesetzt - unter anderem wegen Geldwäsche, Schmuggel, Spionage und Verstoßens gegen internationales Recht. »Diese Vorwürfe sind absurd«, kommentierte Reisch die Ermittlungen gegen ihn und Mardini am Montagabend. Die Politik nehme das Sterben dieser verzweifelten Menschen wissentlich in kauf. »Deswegen sind Abende wie dieser sehr wichtig, um zu verhindern, dass dieses Thema nicht in Vergessenheit gerät«, so Reisch. Mardini, die sich nach ihrer Flucht im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ehrenamtlich engagierte – wo sie im August 2018 überraschend von griechischen Behörden festgenommen wurde –, forderte die Zivilgesellschaft auf, nicht weg zu sehen. »Menschen sterben, während wir hier sitzen und reden. Es ist an der Zeit, dass wir aufstehen. Jedes Leben zählt«, so Mardini.

Durch die andauernde Repression der staatlichen Stellen und das zum Teil unverantwortliche Handeln der libyschen Küstenwache sei private Hilfe im Mittelmeerraum kaum noch möglich, hieß es von den Podiumsteilnehmer*innen. Dabei machten private Organisationen den geringeren Teil der Seenotrettung aus, so Reisch. Die große Mehrzahl der auf See Verunglückten würden durch Handelsmarine und Seestreitkräfte geborgen. »Aber es ist natürlich einfacher, auf private Organisationen einzudreschen.« Diese Kriminalisierung müsse endlich aufhören, forderte der »Lifeline«-Kapitän.

Als derzeit einziges Rettungsschiff ist die »Alan Kurdi« der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye im Mittelmeer im Einsatz. Das Schiff hatte in der Nacht zum Samstag den Hafen von Palma de Mallorca verlassen. Es sei das letzte verbliebene Schiff einer Hilfsorganisation, das nicht von Behörden blockiert oder von Staaten festgehalten werde, teilte die Regensburger Hilfsorganisation »Sea-Eye« mit. Nach einer dreiwöchigen Pause werde die »Alan Kurdi« nun zu ihrem ersten Beobachtungseinsatz in die internationalen Gewässer vor Libyen starten, »um für die europäische Öffentlichkeit zu dokumentieren, was gerade in diesem Seegebiet geschieht«, erklärte ein Sea-Eye-Sprecher.

Im Dezember war das »Sea-Eye«-Schiff unter seinem alten Namen »Professor Albrecht Penck« im Einsatz und rettete 17 Menschen das Leben. Nachdem die maltesischen Behörden dem Schiff die Einfahrt in den Hafen von Valletta verweigerten, wurde es nach Mallorca überführt. Dort wurde es umgetauft auf den Namen des im September 2015 im Mittelmeer ertrunkenen Alan Kurdi. Der Leichnam des Zweijährigen war nach dem Untergang eines Flüchtlingsbootes an der türkischen Küste an Land gespült worden. Die Bilder gingen um die Welt. Der jetzige Rettungseinsatz sei die erste Mission unter neuem Namen.

Die multimediale Ausstellung behandelt in fünf Abschnitten die Entwicklung privater Seenotrettung auf dem Mittelmeer seit 2015. Initiiert wurde das Projekt von den nd-Redakteur*innen Johanna Treblin, Fabian Hillebrand und Sebastian Bähr, die zwischen 2016 und 2018 von vor Ort berichteten und ihre persönlichen Erfahrungen in die Ausstellung einfließen ließen. Als nächstes zieht die Wanderausstellung nach Rostock.

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