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Luxussanierung am Autobahnkreuz

Bis zu 40 Prozent mehr Miete will die Deutsche Wohnen für Modernisierungen in Schöneberg

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 4 Min.

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Klaus Bernd Lemke ist Mieter bei der Deutschen Wohnen in der Nordmannzeile in Schöneberg.
Klaus Bernd Lemke ist Mieter bei der Deutschen Wohnen in der Nordmannzeile in Schöneberg.

Über 40 Prozent mehr Miete soll die Bewohnerin für ihre Wohnung in der Nordmannzeile zahlen, wenn die Deutsche Wohnen ihr Sanierungsprogramm für ihr direkt am Autobahnkreuz Schöneberg gelegenes Haus einmal abgeschlossen hat. Konkret sind das 169 Euro zusätzlich zur derzeitigen Kaltmiete von 408 Euro für die nicht einmal 60 Quadratmeter große Wohnung. Erfahren hat das die Mieterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, Mitte Dezember. Da verschickte der Immobilienkonzern die Modernisierungsankündigungen für die kleine Siedlung an Vorarlberger Damm, Nordmann- und Wendlandzeile. Eile war geboten für die Deutsche Wohnen, war doch im Bund die Reduzierung der Modernisierungsumlage von elf auf acht Prozent schon beschlossene Sache.

Im März sollen die Gerüste aufgestellt werden, in einem Jahr die Baumaßnahmen abgeschlossen sein. Fassadendämmung. Strangsanierung, die Modernisierung von Bädern und Küchen, der Austausch einiger Fenster - es soll viel gemacht werden. »Es muss auch viel gemacht werden«, sagt Mieter Klaus Bernd Lemke, der in der Nordmannzeile 5 wohnt. Er zahlt etwas weniger Miete als seine Nachbarin und soll auch etwas weniger Modernisierungsumlage zahlen müssen. »Aber es sind vor allem grundsätzliche Baumängel, die behoben werden müssen«, erklärt Lemke. Zum Beispiel das Schimmelproblem. Er zeigt auf die vielen schwarzen Wände in seiner Wohnung: Die Außenmauern sind der Bauzeit entsprechend sehr dünn, und beim Einbau von Kunststofffenstern Anfang der 2000er Jahre wurde gepfuscht. »Da sind überall Kältebrücken entstanden«, so Lemke.

Deutsche-Wohnen-Sprecher Marko Rosteck räumt die Mängel ein. Doch er nennt deren Beseitigung einen Nebeneffekt der umlagefähigen Modernisierungsmaßnahme. »Die Sanierung hat das vornehmliche Ziel, den Wohnwert der Gebäude und Wohnungen an zeitgemäße Standards anzupassen und insbesondere die Energiebilanz des Bestandes zu verbessern«, sagt Rosteck.

»Es fallen viele der angekündigten Maßnahmen unter die Instandsetzung, so dass sich diese nicht mieterhöhend auswirken dürfen und es letztlich darum gehen wird, ob die Instandsetzung korrekt herausgerechnet wird«, erklärt Wiebke Werner, stellvertretende Geschäftsführerin des Berliner Mietervereins. Es sei eine beliebte Methode, diese Kosten auf Mieter abzuwälzen.

Durchschnittlich 75 Euro soll die Umlage pro Wohnung betragen, teilt die Deutsche Wohnen auf Anfrage mit. »Manche Mieter zahlen etwa 20 Euro, andere bis zu 169 Euro Umlage«, erklärt Rosteck. Das sei nur eine Prognose, die in der Regel nach Abschluss der Maßnahmen nach unten korrigiert werden. »Weiter gilt bei uns die Härtefallregelung: Wenn die Modernisierungsumlage bei einem Mieter dazu führen würde, dass er mehr als 30 Prozent seines Haushaltseinkommens für die Warmmiete aufwenden müsste, kappen wir an dieser Schwelle«, so der Sprecher. Damit gehe man über die Regelung der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften hinaus, die erst kappen, wenn die Kaltmiete mehr als 30 Prozent des Haushaltseinkommens betrage.

Lemke und seine Nachbarin zählen zu den Wenigen, die überhaupt Rechtsrat einholen und sich gegen aus ihrer Sicht unsinnige Maßnahmen wehren wollen. »Bei mir soll das Blumenfenster gegen Kunststoff ausgetauscht werden. Allein dafür soll ich 54 Euro Umlage zahlen«, sagt die Mieterin. Was verwundert, da der einstige Balkon vor vielen Jahren aus Schallschutzgründen wegen der Autobahn vor dem Haus mit einer Vorhangfassade eingehaust wurde.

»Obwohl wir viele Mitglieder in der Siedlung haben, nutzen bislang nur wenige Mieterinnen und Mieter das Angebot der Rechtsberatung, so dass wir bislang relativ wenig Vorgänge haben«, bestätigt Wibke Werner. »Hier wohnen viele alte Menschen, Ausländer und Studenten. Die wehren sich nicht«, sagt Lemke. Entweder, weil sie in bürokratischen Dingen nicht so fit sind oder weil sie diese Adresse nur als eine Zwischenstation für ein paar Jahre begriffen.

Besonders ärgerlich findet Lemke, dass die kleine Siedlung explizit ausgenommen wurde, als man 2018 das Milieuschutzgebiet Grazer Platz ausgewiesen hat. »Im Rahmen der Ortsbegehung und Detailuntersuchungen wurden jedoch die Blöcke nördlich des Vorarlberger Dammes ausgesondert, da der Aufwertungsdruck gering ist«, heißt es in einer Präsentation dazu. Indikatoren dafür seien gewesen, dass in den letzten Jahren keine Bauanträge gestellt worden seien und auch keine Aufteilung in Eigentumswohnungen beantragt wurden. »Die wussten doch, wem die Häuser gehören«, sagt er zornig. Er wird sich weiter wehren. Und hofft, dass der Widerstand in der Siedlung noch wächst.

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