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Einig gegen Judenhass

Mehrere Proteste in Paris am Dienstagabend richteten sich gegen Antisemitismus

  • Von Bernard Schmid, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.

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Abermals wurde ein jüdischer Friedhof mit Hakenkreuzen beschmiert: in der Nacht vom Montag zum Dienstag, im elsässischen Quatzenheim, einem Dorf rund 20 Kilometer von Strasbourg entfernt. Es handelt sich nur um das letzte Ereignis in einer Serie von Hakenkreuzschmierereien und antisemitischen Graffitis, die seit Anfang dieses Jahres erheblich an Intensität zunimmt.

Betroffen waren neben tatsächlich oder vermeintlich jüdischen Zielpersonen auch andere Einrichtungen, Hakenkreuze wurden beispielsweise bei einer Geschäftsstelle der französischen KP in Vienne (bei Grenoble) am 12. Februar oder auf einer Moscheebaustelle im westfranzösischen Amboise am 8. Januar gezeichnet. In diesen Fällen dürfte relativ klar sein, dass die Urheber in einer außerparlamentarischen, stiefelfaschistischen oder neonazistischen Rechten zu suchen sind.

Nun sind aber auch die Gelben Westen im Zusammenhang mit der Antisemitismusdebatte verstärkt in den Fokus gerückt, besonders nachdem am Samstag in Paris der Philosoph und Schriftsteller Alain Finkielkraut am Rande einer Demonstration beschimpft worden war. Finkielkraut, der sich vom Maoisten der 68er zum konservativen Fürsprecher des Kampfs gegen den »Kulturverfall« sowie zum »Migrationskritiker« gemausert hat, lässt sich mitunter gerne am Rande von Demonstrationen, die er als feindselig betrachtet, blicken. Im April 2016 war er auf ähnliche Weise am Rande der Pariser Platzbesetzerbewegung Nuit debout angefeindet worden.

Die Feindseligkeit vieler Demonstranten gegen ihn resultiert dabei zuvorderst aus seinen politischen Positionen. In diesem Falle bezeichnete ihn ein mutmaßlich muslimischer Teilnehmer, dessen Barttracht die der Salafisten zumindest nachahmt, am Samstag jedoch auch unter anderem als »schmutzigen Zionisten« - die Behauptung des Regierungssprechers Benjamin Griveaux, Finkielkraut sei als »dreckiger Jude« beschimpft worden, ließ sich indes auf keiner der Videoaufzeichnungen verifizieren.

Griveaux wiederum sah als Regierungsvertreter eine durchaus willkommene Gelegenheit, die Gelbwesten als solche zu kritisieren. Bereits am Samstag zuvor, am 9. Februar, hatte er dies versucht, nachdem antisemitische Wandschriften an dem jüdischen Restaurant »Bagelstein« auftauchten. In einem Tweet stellte Griveaux diese in eine Reihe mit Attacken auf Polizeibeamte am Rande der Demonstrationen, woraufhin der Eigentümer von »Bagelstein« allerdings erklärte, es gebe keinen Zusammenhang zwischen den Schmierereien und den Gelbwestenprotesten.

Die sich seit dem Wochenende und dem Angriff auf Finkielkraut aufheizende Debatte hat derweil neue Aufmerksamkeit auf die für Dienstagabend angekündigten Mobilisierungen gegen Antisemitismus aus diversen politischen Lagern gelenkt. Den Anlass dazu gab ein Ereignis von Mitte letzter Woche: Porträts der jüdischen, liberalen Ex-Ministerin und Auschwitz-Überlebenden Simone Veil am Rathaus des 13. Pariser Bezirks waren nachts mit zwei Hakenkreuzen überpinselt worden.

Daraufhin ergriff die sozialdemokratische Partei PS die Initiative und rief alle anderen staatstragenden Parteien zu einer gemeinsamen Kundgebung auf. Grüne, Macron-Anhänger und Konservative antworteten positiv. Jean-Luc Mélenchons Partei behauptet, seine Partei LFI sei zur Vorbereitung nicht eingeladen worden und stehe deswegen nicht unter dem Aufruf, schließt sich jedoch an. Am Wochenende erklärte aus der radikalen Linken auch die Neue Antikapitalistische Partei NPA ihre Unterstützung.

Zeitgleich verbreitete sich jedoch ein Aufruf aus der antifaschistischen und antirassistischen Linken zu einer parallel stattfindenden Kundgebung unter dem Motto »Gegen den Antisemitismus, gegen jeden Rassismus und gegen ihre politische Instrumentalisierung« - gemeint ist: durch die Regierung, um gegen Protestbewegungen vorzugehen. Dieser Protest wird ebenfalls in Paris an der Métro-Station Ménilmontant, einen knappen Kilometer von der anderen Kundgebung entfernt, stattfinden. Zu ihr rufen neben Antifagruppen auch die linke »Jüdische Union für den Frieden« und Migrantenvereinigungen auf.

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