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Gefühlter Sieg

Eine unerwartet starke Defensive lässt den FC Bayern über ein torloses Unentschieden in Liverpool jubeln

  • Von Maik Rosner, Liverpool
  • Lesedauer: 4 Min.

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Javi Martinez (l) von München klärt vor Sadio Mane von Liverpool.
Javi Martinez (l) von München klärt vor Sadio Mane von Liverpool.

In der Kabine habe »keine Partystimmung« geherrscht, berichtete Karl-Heinz Rummenigge. Wie der Vorstandschef ahnen wohl alle Münchner, dass das Rückspiel gegen den FC Liverpool nach dem torlosen Remis am Dienstagabend an der Anfield Road die noch größere Herausforderung bereithalten könnte. Aber: Im Rückblick auf die leidenschaftliche und mannschaftstaktische Glanzleistung, trug das verdiente Unentschieden für die Münchner Züge eines Sieges - über all die Zweifel, die sie nach Gegentoren in allen sechs vorherigen Spielen des Jahres zum Vergleich mit Jürgen Klopps viel gerühmten Offensivtrio mit Mohamed Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino begleitet hatten.

»Erstklassig eingestellt« habe Trainer Niko Kovac die Mannschaft, lobte Rummenigge später beim Mannschaftsessen, die Tür zum Viertelfinale sei ein Stück weit aufgestoßen. Stolz und vorsichtigen Optimismus nehmen die Münchner von dieser Champions-League-Reise mit nach Hause. Um im Achtelfinalrückspiel am 13. März in München auch den zweiten Schritt erfolgreich zu gehen, braucht der FC Bayern neben einer ähnlich konzentrierten und geschlossenen Leistung ein Sieg mit einem Tor Unterschied. Doch vielleicht wird es die noch kniffligere Aufgabe, die kompakte Defensive mit mehr Offensivgeist zu kombinieren. Zumal gegen Klopps Konterspezialisten, für die sich dann jene Räume eröffnen könnten, die ihnen die Münchner diesmal nicht gewährten. »Tag für Tag wird sich das Ergebnis ein bisschen besser für uns und ein bisschen schlechter für Bayern anfühlen«, prophezeite Liverpools Trainer. Schießen die Reds in München ein Tor, braucht der deutsche Meister schon deren zwei.

Für den Moment aber genossen die Bayern ihre reife Defensivleistung, die Kovacs Naturell entsprach und die er vielsagend auch auf die besondere Motivation zurückführte. In der Champions League sei »der Fokus noch mal größer«, befand er, »in der Bundesliga spart sich der eine oder andere mal den Gang, um seinem Mitspieler zu helfen«. Ähnlich umschrieb es Kapitän Manuel Neuer, als er auf die in der Liga viel offensiveren Außenverteidiger verwies, was zuletzt mehrfach zu Gegentoren geführt hatte, vor allem über Joshua Kimmichs rechte Seite. Diesmal aber »haben wir es uns selbst bewiesen, dass wir es defensiv können«, sagte der Torwart, »das war auf jeden Fall ein tolles Signal.« Andererseits hätten durch das intensive Verteidigen »die Körner nach vorne gefehlt«, erkannte er.

Es wird in München nun die sehr anspruchsvolle Aufgabe sein, Defensive und Offensive zu vereinen, ohne an Kompaktheit einzubüßen. Dann voraussichtlich mit Rafinha als Rechtsverteidiger, da Kimmich wegen seiner dritten gelben Karte im Rückspiel gesperrt ist. Wenn es nach Neuer geht, muss das kein Nachteil sein. »Was Javi Martinez heute gezeigt hat, kann Rafinha auf der Außenverteidigerposition auch zeigen. Er ist ein sehr erfahrener Spieler, der oft defensiv denkt. Das ist, was wir in München brauchen werden, dass wir nicht in die Konter reinmarschieren.«

Martínez konnte in der Tat als großer Faktor für den Teilerfolg betrachtet werden. »Fantastisch«, lobte Kovac und räumte ein, dass Leon Goretzkas kurzfristiger Ausfall wegen einer Sehnenreizung in gewisser Weise gut gewesen sei, da dieser es ihm erspart habe, seine Personalwahl fürs Mittelfeld zu moderieren. Unermüdlich hatte sich Martínez dort auf der Sechs in die Zweikämpfe geworfen, er verstellte Wege und bremste Klopps Umschaltspieler immer wieder aus.

Beim zweiten Treffen werden die Rollen dann wohl vertauscht sein. Liverpool muss sich dann nicht an jenem Favoritenfußball versuchen, mit dem es auch gegen die Bayern fremdelte. Sie können es angehen wie die Münchner am Dienstagabend. Hoffnung machen Klopp auch zwei Rückkehrer. Abwehrchef Virgil van Dijk wird zum Rückspiel in München ebenso zurückerwartet wie sein Nebenmann Dejan Lovren. Zu rechnen wird dann wohl auch mit dem mitreißenden Kämpfer James Milner sein, dem Klopp diesmal den ehemaligen Leipziger Kreativspieler Naby Keita vorgezogen hatte. Rummenigge warnte nicht umsonst: »Diesen Fehler dürfen wir nicht wiederholen«, sagte er in Erinnerung an 1981, als er mit dem FC Bayern nach einem 0:0 in Liverpool durch ein 1:1 im Rückspiel das Aus erlebte.

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