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Der Fluch des Fortschritts

Tomas Morgenstern fragt, wieso man mit nur einer Baugrube eine Stadt lahmlegt

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 1 Min.

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Wunderwelt der modernen Elek᠆trizität: Bei Arbeiten an der seit Monaten gesperrten Salvador-Allende-Brücke treibt ein schlecht eingewiesener Maschinist seinen Bohrer durch das Hauptstromkabel, das einen Stadtteil mit 31.000 Einwohnern mit Energie versorgt.

Kein Problem, in einem führenden Industrieland wird es ja wohl eine Havarieschaltung geben? Pustekuchen, der eifrige Werktätige hatte im selben Arbeitsgang gleich noch das Ersatzkabel gekappt, das praktischerweise gleich daneben verlegt war. Und so gingen auf einen Schlag in allen Haushalten die Lichter aus. Supermarktkassen, Geldautomaten und Ampeln streikten, Bahnen blieben stehen. Internet, Kabel-Rundfunk und -TV, Festnetztelefon - zappenduster. Polizei und Feuerwehr waren nur zu Fuß erreichbar, kein Notruf ging raus.

Darf so etwas heutzutage als Folge einer durch Bauarbeiten verursachten Havarie passieren? Wie kann es sein, dass die Stromversorgung einer Stadt wie Berlin so anfällig ist, dass man im Zweifel Zehntausende Menschen tagelang nicht versorgen kann? Dazu Kommunikationsausfall in Zeiten von W-LAN und Glasfaserkabeln? Man kann sich behelfen mit einem geladenen Handy, einen Kerzenvorrat fürs Licht und Batterien fürs Radio. Was aber, wenn einst alle ein Elektroauto an der Schnellladestation stehen haben, und dann einer im Erdreich bohrt? Schöner Fortschritt!

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