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Die Frauen heben ab

Erstmals treten die Skispringerinnen bei Weltmeisterschaften in ihrem eigenen Teamwettbewerb an

  • Von Lars Becker
  • Lesedauer: 3 Min.

Die komplette Gleichberechtigung in der Luft haben sie noch nicht erreicht. Aber der erste Teamwettbewerb in der Geschichte der Nordischen Skiweltmeisterschaften an diesem Dienstag in Seefeld ist für die Skispringerinnen ein weiterer wichtiger Schritt in diese Richtung. »Wir haben lange dafür gekämpft, genau wie die Männer unseren eigenen Teamwettkampf bei der WM zu haben«, sagt die Olympiazweite Katharina Althaus. »Es ist cool, dass wir jetzt drei Medaillenchancen haben.«

Elf Teams werden am Start sein, das ist nur eines weniger als beim Mannschaftsspringen der Männer. Dort holte am Sonntag die deutsche Mannschaft um Doppelweltmeister Markus Eisenbichler souverän Gold. Es ist gut möglich, dass auch bei den Frauen wieder die deutsche Nationalhymne gespielt wird: Die viermalige Weltmeisterin Carina Vogt und Co. sind die haushohen Favoritinnen.

Für die inzwischen 27 Jahre alte Vogt ist der erste WM-Teamwettbewerb eine besondere Genugtuung, schließlich gehört sie seit Jahren zu den lautstärksten Kämpferinnen für die Gleichberechtigung. Und sie hat in ihrer Karriere schon viele Premieren miterlebt: 2013 war sie beim ersten Mixed-Teamwettbewerb bei einer WM dabei und gewann Bronze. 2014 holte sie bei der Olympiapremiere der Skispringerinnen Gold. Nun also in Seefeld der erste Teamwettbewerb der Frauen. Und 2022 wird das Mixed-Springen bei Olympia seine Premiere feiern. Auch dank Vogt, die sich am Rande der WM vor zwei Jahren in Lahti in einem Gespräch mit IOC-Präsident Thomas Bach massiv dafür eingesetzt hatte.

Die Zeiten, in denen führende Funktionäre des Skiweltverbandes FIS das Skispringen der Frauen mit der abenteuerlichen Begründung ablehnten, dass dabei die Gebärmutter zu Schaden kommen könne, sind zum Glück längst vorbei. »Wir haben in den letzten Jahren schon viel erreicht, aber es gibt auch noch viel zu tun«, sagt Vogt. In diesem Winter gehen bei der Rekordzahl von 25 Weltcupspringen immerhin neun von einer Großschanze über die Bühne. Einen WM-Wettbewerb vom großen Bakken gibt es allerdings noch immer nicht. Und auch bei der prestigeträchtigen Vierschanzentournee sind die fliegenden Frauen immer noch Zuschauerinnen.

»In den nächsten drei, vier Jahren wird eine Aufnahme der Frauen in die Tournee durch die Rechtesituation schwierig. Aber rein sportlich wäre es kein Problem. Wenn die vier Veranstalter der Tournee sich zusammenfinden und eine Initiative starten, sind wir offen«, sagt Walter Hofer, Skisprungchef beim Weltverband. Dass sie auch die Großschanzen des legendären Skisprung-Grand-Slams beherrschen, haben die Frauen gerade bei der WM-Generalprobe in Oberstdorf bewiesen. Die norwegische Olympiasiegerin Maren Lundby verbesserte den Schanzenrekord mehrfach, zuletzt auf 135,50 Meter. »Vielleicht schaffen wir es ja noch, den Großschanzenwettbewerb für die Frauen in das Programm der Heim-WM 2021 in Oberstdorf zu bringen«, hofft der deutsche Bundestrainer Andreas Bauer.

Bei den Titelkämpfen im Allgäu werden auf jeden Fall erstmals die Nordischen Kombiniererinnen dabei sein. Nach der Premiere einer Junioren-WM in diesem Winter wird in zwei Jahren die Kombination aus Skispringen und Skilanglauf auch für die Frauen erstmals mit Gold bei großen Weltmeisterschaften belohnt werden. Der Deutsche Skiverband (DSV) hat deshalb damit begonnen, talentierte Winterzweikämpferinnen zu fördern. Auch mit der Vision, dass diese Disziplin spätestens 2026 olympisch werden könnte. »Wir wollen auch mit der Aufnahme ins WM-Programm ein Zeichen setzen. Wir sind überzeugt, dass die Nordische Kombination für Frauen ein voller Erfolg wird«, sagt DSV-Präsident Franz Steinle. »Vor zehn Jahren gab es die gleiche Diskussion um die Skispringerinnen, und jetzt sind sie nicht mehr wegzudenken.«

Die deutschen Skispringerinnen haben sich inzwischen die Möglichkeit erkämpft, genau wie die Männer mit einem individuellen Helmsponsor Geld zu verdienen. Und sie dürfen sich bei entsprechenden Erfolgen bei einem DSV-Sponsor einen schnittigen Sportwagen bestellen. Für einen Weltcupsieg auf der Schanze bekommen die Frauen allerdings nur 3000 Schweizer Franken, die Männer dagegen mindestens 10 000 Schweizer Franken. Es bleibt also noch einiges zu tun in Sachen Gleichberechtigung in der Luft.

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