Zauber im Zwergenreich

«Spätdienst» von Martin Walser mit Maximen und Reflexionen

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

In mir wächst ein Gefühlchen gegen die Zweiteilung (stark - schwach; groß - klein; glücklich - unglücklich; ideal - nicht ideal). Es ist doch nur, weil die Leute nicht mehr als zwei Dinge denken können. Mehr geht nicht in ein Spatzengehirn. Aber das Gesündeste ist doch einfach: lavieren ...«

Das schreibt Bertolt Brecht, in seinen frühen Tagebüchern. Dies Bekenntnis könnte von Martin Walser stammen. Es könnte als Motto über seinem wunderschönen Buch stehen: »Spätdienst« stehen, das in Miniatur-Essays, in Bruchstücken, in Satz-Juwelen, in Vers-Splittern noch einmal eine Confessio zusammenfasst - das, was diesen nunmehr 91-Jährigen zu einem letzten Solitär deutscher Literatur erhebt. Es ist die leise und schreiende, die lautere und larmoyante, die schreckende wie spielerische Begegnung mit dem Daseinsschmerz. Es ist Bestätigung: Das Zusammenfassbare der eigenen Existenz ist eine Illusion. Jedes unsere Sinnes- und Sinn-Organe erzählt heute...

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