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Tote Schülerin war kein Opfer von Mobbing

Schulleiterin äußerte sich erstmals zum Fall / Abgeordnete befassten sich in Anhörung mit Diskriminierung

  • Von Johanna Albrecht
  • Lesedauer: 3 Min.

Anlässlich des Todesfalles einer Grundschülerin an der Hausotter-Grundschule in Berlin-Reinickendorf befasste sich der Bildungsausschuss des Abgeordnetenhaus am Donnerstag in einer Anhörung mit dem Thema Mobbing.

Entgegen vorheriger Annahmen machte Daniela Walter, die Schulleiterin der Reinickendorfer Grundschule, deutlich: »Die verstorbene Schülerin war kein Mobbingopfer.« Auch die Schwester der Verstorbenen gehe weiterhin gerne in die Schule, sie besucht gerade die dritte Klasse. Sie räumt ein, dass natürlich auch an ihrer Schule Mobbingfälle vorkommen, zeigt sich aber über die Darstellung ihrer Schule als »Mobbingschule« erschrocken.

Bei der Anhörung im Abgeordnetenhaus erklärte Bildungssenatorin Scheeres (SPD): »Das Thema Gewalt an Berliner Schulen ist für uns ein sehr relevantes Thema.« Mobbing sei eine schlimme Form von Gewalt, die häufig mit körperlichen und seelischen Verletzungen einhergeht. Man könne ihr nicht nur mit einzelnen Projekten entgegenwirken. Die Landeskommission »Berlin gegen Gewalt« hat deshalb Ansätze und Handlungsrahmen entwickelt, um Prävention von Mobbing zu ermöglichen. Ein Aspekt der Präventionsarbeit ist laut Scheeres, für ein gutes Schulklima zu sorgen - wenn das Miteinander an der Schule nicht stimme, käme es häufiger zu Mobbing. Dies möchte sie mit kontinuierlicher Arbeit und stetiger Evaluation erreichen.

Dafür gibt es unter anderem in jedem Bezirk eines der »Schulpsychologischen und Inklusionspädagogischen Beratungs- und Unterstützungszentren« (SIBUZ). Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern können sich an diese Beratungszentren wenden und von Fachkräften der Schulpsychologie und Pädagogik beraten werden. »Dass Kinder und Jugendliche Ausdrücke wie ›Du Opfer!‹ auf dem Schulhof ganz selbstverständlich als Beschimpfungen benutzen, finde ich schrecklich«, so die Senatorin. Zur Gewaltprävention beabsichtigt sie, 500 weitere Schulsozialarbeiter*innen einzustellen sowie eine Schülerin oder einen Schüler als Anti-Mobbing-Beauftragte*n zu ernennen. Zudem will sie verpflichtende Fortbildungen zum Thema Mobbing für Schulleitungen einführen und die Anti-Mobbing-Kurse für Eltern ausbauen.

Das ist für die Opposition nicht genug. Die CDU-Bildungspolitikerin Hildegard Bentele sagte, dass die Senatsverwaltung bislang zu wenig Mobbing-Prävention geleistet habe. Sie kritisierte die Einstellung des Meldeverfahrens zu Mobbing-Vorfällen: »Bis 2017 sind die Mobbingfälle laut Meldestatistik gestiegen, aber seit anderthalb Jahren sitzen wir im Dunkeln!« Der Grund dafür: Eine Studie hat laut Scheeres ergeben, dass das bis dahin genutzte Meldeverfahren nicht repräsentativ war und möglicherweise falsche Dinge suggeriert habe. Derzeit werde an einem neuen Verfahren gearbeitet, hieß es.

Auch Herbert Scheithauer, Professor für Psychologie an der Freien Universität Berlin, hält Meldestatistiken nicht für besonders aussagekräftig: »Wenn eine Schule zum Beispiel höhere Zahlen von Mobbing-Vorkommnissen aufweist, als andere, kann das auch einfach daran liegen, dass es an dieser Schule eine besondere Sensibilität für das Thema gibt.« Mit sogenannten »Dunkelfeldbefragungen« könne man authentischer feststellen, wie oft es tatsächlich zu Mobbing komme.

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