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Umweltpolitik für alle

Neuer Bericht zur Umweltgerechtigkeit zeigt unterschiedliche Belastung in den Kiezen

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Umweltpolitik ist nicht nur für die Menschen da, die keine Sorgen mehr haben, sondern auch für Menschen, die noch viele andere Probleme haben«, sagt Michael Thielke, Abteilungsleiter in der Senatsumweltverwaltung, bei der Vorstellung des Berichtes zur Umweltgerechtigkeit in den Berliner Stadtquartieren. Erstmals werden mit dem Werk alle 447 Berliner Kieze, in der Verwaltungssprache »Lebensweltlich orientierte Räume« genannt, auf die Umweltbelastungen, denen die dort lebenden Menschen ausgesetzt sind, untersucht. »Es ist neu und einzigartig, dass Berlin als erster Metropolenraum nun über einen kleinräumlichen Datensatz verfügt«, erklärt Umwelt-Staatssekretär Stefan Tidow (Grüne) stolz.

Wie viel Lärm müssen die Bewohner in den Kiezen ertragen, wie stark ist die Luft belastet, wie sehr heizt sich die Gegend im Sommer auf, wie viel Grün gibt es pro Einwohner und wie sieht die soziale Lage der Bewohnerschaft aus? Das sind die fünf Hauptindikatoren, aus denen die Belastung der Gegend mit Punktwerten errechnet wird. Am schlechtesten schneidet da in Reinickendorf das direkte Umfeld des Flughafens Tegel sowie der Autobahn A111 ab sowie die Europacity nördlich des Hauptbahnhofs. Bei letzterem sollten sich nach Ansicht der Umweltverwaltung mit der Fertigstellung des Quartiers die Daten deutlich verbessern. »Die Heidestraße ist bisher ein devastierter Stadtraum gewesen. Wir sind gespannt wie es aussieht, wenn dieser Stadtraum fertig ist«, sagt Thielke. Neu errichtete Bauten schirmten den Lärm der Eisenbahnstrecke gut ab, außerdem würden dann auch mehr Grünflächen fußläufig zur Verfügung stehen, heißt es.

Ein Problem an dem Werk, das räumt man freimütig ein, ist, dass die Basisdaten, aus denen die Indikatoren errechnet werden, nicht alle aus demselben Jahr stammen. Manche Erhebungen werden nur alle fünf Jahre durchgeführt. »Wir wollten mit dem Werk auch irgendwann mal an die Öffentlichkeit gehen«, begründet Tidow. Dass die Daten zum Teil schon älter seien, mache eigentlich nichts, »weil es keine tagespolitischen Anlässe zum Handeln gibt«. Es gehe vielmehr um langfristige Strategien, um die Situation zu verbessern.

Mit dem Bericht zur Umweltgerechtigkeit konnte nun auch untermauert werden, was sich lange schon abzeichnete: Dass ärmere Menschen oft in Gebieten wohnen, die starker Umweltbelastung ausgesetzt sind. Der Bericht helfe, das Thema »stärker als bisher, geerdet und fundiert zu diskutieren«, erklärt Tidow. »Gerade in dieser Zeit, in der viele wichtige Entscheidungen getroffen werden für Wohnungsbau und Infrastruktur muss die Umweltgerechtigkeit eine stärkere Rolle als bisher spielen«, ist er überzeugt. Das Werk sei zwar nicht rechtsverbindlich, bringe aber die komplexen Zusammenhänge noch einmal auf den Punkt. »Wir hoffen, dass wir das Unsere dazu beitragen, dass sich in den mehrfach belasteten Gebieten die Situation nicht mindestens noch weiter verschlechtert«, sagt der Staatssekretär. Es sei wichtig, dass in den neuen Stadtquartieren auch das Grün weiterwachse.

Der Umweltverband BUND Berlin begrüßt den Bericht zur Umweltgerechtigkeit, an dem er mitgearbeitet hatte. Die zusammenfassende Analyse von Daten zur Umweltqualität und sozialen Indikatoren auf Ebene der einzelnen Stadtquartiere biete eine gute Leitlinie, um Maßnahmen zur Senkung von Umweltbelastungen und Erhöhung der Lebensqualität insbesondere in den in mehrfacher Hinsicht benachteiligten Stadtquartieren zu bündeln, heißt es dort. »Geballte Gesundheitsbelastungen durch Lärm, Luftschadstoffe und ein schlechtes Bioklima sowie eine schlechte Ausstattung mit grüner Infrastruktur betreffen in hohem Maße Stadtquartiere mit einem hohen Anteil von Menschen mit geringem Haushaltseinkommen«, sagt BUND-Geschäftsführer Tilmann Heuser. Entsprechend müssten dort integrierte Handlungsschwerpunkte gesetzt werden, wo die Umweltqualität besonders schlecht ist. »Der Ansatz der Umweltgerechtigkeit bietet dafür eine gute Grundlage, die jetzt aber mit Leben gefüllt werden muss«, so Heuser weiter. Bei mehreren Bezirken sei der neue Bericht schon auf reges Interesse gestoßen, erklärt der Umwelt-Staatssekretär.

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