Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Deutschlands Gefälle

Nach 30 Jahren Einheit besteht eine eklatante wirtschaftliche Ungleichheit zwischen Ost und West

  • Von Markus Drescher
  • Lesedauer: 2 Min.

Ein Dorf in Mecklenburg. Oder Vorpommern. Orientiert man sich am Ungleichheits-Koordinatensystem des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) haben die Bewohner dort so richtig die Arschkarte gezogen: Wirtschaftlich gesehen geht es Städten besser als dem Land, dem Süden besser als dem Norden und auch 30 Jahre nach der deutschen Einheit dem Westen besser als dem Osten.

Verantwortlich für den West-Ost-Unterschied macht das IWH vor allem eine geringere Produktivität, die laut Studie in Ostdeutschland einschließlich Berlins im Jahr 2017 durchschnittlich 82 Prozent des westdeutschen Durchschnitts betrug. »Kein ostdeutsches Flächenland reicht an das westdeutsche Land mit der geringsten Produktivität - das Saarland - heran«, konstatieren die Forscher.

Daneben stellt das IWH aber auch eine »sich öffnende Schere bei der Produktivität zwischen Süd- und Norddeutschland« fest, »wenn die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen dem Süden und die übrigen Länder dem Norden zugeordnet werden«. Allerdings sei diese Schere immer noch viel kleiner als der West-Ost-Abstand.

Für diesen machen die IWH-Forscher nicht nur die ungleiche Verteilung von Konzernzentralen - im Jahr 2016 befanden sich 464 Konzernsitze der Top-500-Unternehmen im Westen - und den damit einhergehenden Mangel an Forschungs- und Entwicklungsstrukturen aus. Auch im Vergleich gleich großer Unternehmen ergebe sich eine Produktivitätslücke von mindestens 20 Prozent. »Es lässt sich somit feststellen, dass der Produktivitätsrückstand des Ostens sowohl durch die Kleinteiligkeit der Unternehmensstrukturen als auch durch gleichzeitig vorhandene Produktivitätsrückstände bei vergleichbaren Betrieben erklärt wird«, heißt es in der Studie.

Schuld daran ist für den Präsidenten des IWH, Reint Gropp, die Subventionspolitik im Osten. Diese habe Unternehmen verleitet, nicht benötigte Arbeitsplätze zu erhalten. »Wir sollten aufhören, dort auf Teufel komm raus Arbeitsplätze zu erhalten«, so Gropp. Fördergeld solle künftig vor allem in Städte und in besonders produktive Unternehmen fließen. Das »Bestehen auf gleichwertigen Lebensverhältnissen in Deutschland hat in die Irre geführt«, erklärte Gropp bei der Vorstellung der Studie am Montag in Berlin.

Als weitere Maßnahmen zur Wirtschaftsentwicklung in Ostdeutschland nennt die Studie unter anderem noch das Wachstum der bestehenden mittelgroßen Unternehmen. Sie könnten, da eine Verlegung von Konzernzentralen nicht zu erwarten sei, »die künftigen Headquarters des Ostens werden«. Auch öffentliche Wissenschaftseinrichtungen sollten gestärkt werden, Ostdeutschland attraktiver für qualifizierte Zuwanderung gemacht und in frühkindliche Bildung sowie die Schulqualität investiert werden. Mit Agenturen

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln