Frühstück

Porridge Schmorridge

Paula Irmschler darüber, warum Haferschleim kein neuer Essenstrend ist

Von Paula Irmschler

Nach einer Lesung musste ich mal bei Leuten übernachten, die total nett waren, aber dann ist morgens etwas passiert. Wir saßen an einem Tisch, es war vermutlich der Esstisch, denn es stand Essen darauf, Brötchen, Käse und sowas, und ich süppelte an meinem Kaffee. Da sagte der Typ mit dem Spülschaum an der Hand in den Raum hinein: »Komm, ich mach uns mal schön Porridge.« Ich entgegnete ein freundliches Es-tut-mir-leid-tuendes: »Nein, danke, mir reicht morgens ein einfacher guter Kaffee.« Ich verabschiedete mich schnell und mit vielen schlechten Ausreden und dachte: Alter, da darf man nie mehr hingehen. Ich hatte »Porree« verstanden.

Dann, ein paar Monate später, sagte irgendeine Frau, von der ich vergessen habe, wieso wir uns überhaupt unterhalten hatten: »Ich mache mir jetzt morgens immer schön Porridge.« Da war es wieder. Zumindest hatte ich es jetzt verstanden, also das Wort. Aber nicht, was das sollte. Irgendwann war ich mal wieder irgendwo und es war nichts mehr zu essen im Haus und die Person in dem Haus ohne Essen sagte: »Na ja, ich hab aber hier noch alle Zutaten für Porridge.« Jetzt reichte es mir. Ich wollte wissen, was ich da schon wieder verpasst hatte wegen meiner Ostsozialisierung oder zu langsam ladendem Instagram-Account. War es wie eine der anderen Dinge, die ich erst sehr spät kennenlernte, wie »Patstrami«, »Litschi« oder den »freien Markt«? »Ja, dann zeig mal her, deine Zutaten!«, muckerte ich. Die Person griff in den Schrank und entnahm Haferflocken. Dann ging sie zum Kühlschrank und entnahm Milch. Dann geschah nichts mehr.

Liebe Leute. Haferflocken und Milch, das nennt man Haferschleim oder Haferbrei, was ist eigentlich los? Das hat man früher gegessen, wenn man nichts anderes im Haus hatte oder krank war oder darauf stand, aber man nannte es einfach Haferdings! Es ist ein ganz normales grundsätzliches Essen. Ich recherchierte mich tiefer in den Wahnsinn dieses hippen Etikettenschwindels. DARUM IST DER NEUE TREND SO GESUND: Weil man ihn mit Obst und/oder Nüssen versetzt. Moment mal, das nannten wir wiederum doch einfach mal Müsli. Wir hatten doch gerade erst diesen Hype des Müslidrecks überwunden und circa 100 Ernährungsexperten hatten endlich mal gesagt, dass es ein überschätztes Essen ist. Jetzt kommt der Mist wieder, nur anders albern bezeichnet? Es wird noch schlimmer. Kennt jemand »Overnight-Oats«? Das ist über Nacht eingelegte Haferpampe. Kommt bald Potatidge, der neue Kartoffelbrei? Applidge, der geile Apfelmus? Nudelterrinidge? Meine Güte. Wir sind doch alle langweilige Menschen, die langweilige Sachen essen. Lasst es zu. Hört auf, besonders sein zu wollen. Seid einfach »boringidge«.