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Tag der Botschaften

6:0 gegen Wolfsburg: Der FC Bayern ist wieder Tabellenerster und gibt sich siegessicher

  • Von Maik Rosner, München
  • Lesedauer: 4 Min.

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Thomas Müller bejubelt sein 4:0 gegen die desillusionierten Wolfsburger.
Thomas Müller bejubelt sein 4:0 gegen die desillusionierten Wolfsburger.

Beschwingt traten sie alle aus dem Kabinengang, erfreut über das überzeugende und auch in der Höhe stimmige 6:0 gegen den VfL Wolfsburg, durch das der FC Bayern erstmals seit dem fünften Spieltag wieder die Tabelle anführt, vor Borussia Dortmund. Zur Bestärkung im Titelkampf kam auch Selbstvertrauen fürs Achtelfinalrückspiel in der Champions League am Mittwoch gegen den FC Liverpool, in dem nach dem 0:0 im Hinspiel schon ein Sieg mit einem Tor Unterschied genügt, um ins Viertelfinale einzuziehen. Und doch blieb vom Samstag vor allem jene Stimmung hängen, die Joshua Kimmich mit seiner erstaunlich deutlichen Kritik an Bundestrainer Joachim Löw neben der Freude über die sportlichen Botschaften zum Ausdruck gebracht hatte.

»Wenn ich das aus Spielersicht bewerten muss, ist die Art und Weise nicht okay. Da verstehe ich absolut, dass die Jungs enttäuscht sind«, sagte der Rechtsverteidiger über die Kollegen Jérôme Boateng, 30, Mats Hummels, 30, und Thomas Müller, 29, die am Dienstag von Bundestrainer Joachim Löw auf dem Münchner Trainingsgelände in aller Kürze erfahren hatten, dass ihre Karrieren in der Nationalelf ab sofort beendet sind, jedenfalls unter Löw. Das Trio hätte »einen anderen Abgang verdient« gehabt, befand Kimmich weiter, und aus ihm sprach auch persönliche Betroffenheit. »Ich kenne die Nationalmannschaft seit meiner Jugend nur mit den Dreien«, sagte er, »die letzten zehn Jahre haben sie das Team geprägt und uns zum Weltmeister gemacht.« Und zu alt seien sie gewiss noch nicht.

Kimmich, 24, ist einer jener noch vergleichsweise jungen Nationalspieler, die die DFB-Auswahl schon eine Weile mitprägen und nun mehr Verantwortung übernehmen sollen. Seit 2016 gehört er bereits zu Löws erlesenem Kreis und gilt als eine der Führungsfiguren der Zukunft. Umso verblüffender kam seine offene Kritik am Bundestrainer daher.

Andere, wie DFB- und Bayern-Kapitän Manuel Neuer, 32, und Mittelfeldspieler Leon Goretzka, 24, äußerten sich diplomatischer. Aber auch bei ihnen kam zum Ausdruck, dass sie die Enttäuschung der nun ehemaligen Kollegen aus der Nationalmannschaft auch wegen der Umstände und des Zeitpunkts ihrer Ausbootung nachvollziehen könnten.

»Über die Art und Weise kann man sicher streiten«, sagte Goretzka und bemühte gar ordentlich Pathos: »Ich verspüre als Deutscher und als Fußballer immer noch große Dankbarkeit, weil sie mir unheimlich schöne Stunden bereitet und 2014 auch den Titel geholt haben. Wenn ich daran denke, kriege ich jetzt noch Gänsehaut.« Seiner Meinung nach sollte man »den Dreien sehr dankbar sein«, was sich durchaus als Hinweis deuten ließ, dass Löw Gespür vermissen gelassen habe.

Boateng, Hummels und Müller hatten alle von Anfang an gegen Wolfsburg gespielt, womit Trainer Niko Kovac ebenfalls ein Signal in der Causa sendete. Und sie hatten allesamt mit ihren couragierten Auftritten einen wesentlichen Beitrag zum höchsten Saisonsieg geleistet, den Robert Lewandowski mit seinen Ligatoren 16 und 17 (37./85.), Serge Gnabry (34.), James Rodríguez (52.), Müller (76.) und Kimmich (82.) herausgeschossen hatten. Abermals äußern zur Demission wollte sich das Trio danach aber nicht. Ebenso wie Präsident Uli Hoeneß, der nebenbei die Vereinbarung mit BMW als künftigem Teilhaber statt Audi - abgesehen vom kolportierten Gesamtvolumen (800 Mio. Euro) - bestätigte und für die Zeit nach dem Spiel gegen Liverpool ein bisschen bedrohlich ankündigte, etwas zu Löw sagen zu wollen. Einzig Müller hinterließ nach seinem Tor und seiner Vorlage im Vorbeigehen noch einen leicht triumphalen Satz. »Ich habe einen schönen Spieltag erlebt«, sagte er mit einem schelmischen Grinsen.

Das galt am Tag der Botschaften für so ziemlich alle Münchner, die zwischenzeitlich schon neun Punkte Rückstand auf den BVB hatten und nun dank der um zwei Tore besseren Tordifferenz wieder dort stehen, wo sie nach ihrem Selbstverständnis stets hingehören, und das deutlich früher als von ihnen erhofft. Es sei nicht abzusehen gewesen, »dass das so früh in der der Saison klappt«, sagte Kimmich, »das Momentum haben wir auf unserer Seite. Das sieht wieder nach dem FC Bayern aus.«

In der Tat hatten die Münchner eine Woche nach dem 5:1-Sieg in Mönchengladbach die nächste eindrucksvolle Vorstellung folgen lassen. Es war, anders als das wackelige 3:2 beim FC Augsburg vor der ersten Verabredung mit Liverpool, ein Vorspiel wie aus einem Guss gewesen. Und es fügte sich ins Bild, dass Lewandowski die alleinige Führung in der Torschützenliste übernahm und zudem Werder Bremens Claudio Pizarro mit nun 197 Toren als erfolgreichsten Ausländer der Bundesliga ablöste. »Es freut mich, wie wir gespielt haben«, sagte der polnische Stürmer über die Gala und perfekte Einstimmung. »Das ist gut für die Champions League.«

Gegen Liverpool wird Kovac seine Formation allerdings mehrfach umstellen müssen, auch weil Müller und Kimmich gesperrt fehlen. Doch die Zuversicht ist endgültig zurückgekehrt beim FC Bayern. »Wir sind jetzt da, wo wir hinwollen, da wollen wir auch bleiben«, sagte Kovac. »Jetzt heißt es wieder, die Kräfte zu bündeln für Mittwoch, um das zu schaffen, was wir uns alle wünschen.« Bestärkt dafür sind sie jedenfalls.

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