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Braun und verschimmelt

In seiner Kolumne »Müllabfuhr« findet Tim Wolff jede Menge braune Stellen, vor allem im Springer-Blatt »Die Welt«

  • Von Tim Wolff
  • Lesedauer: 3 Min.

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Dieses brot sollte man besser nicht mehr essen. Da stimmen die Kollegen der
Dieses brot sollte man besser nicht mehr essen. Da stimmen die Kollegen der "Welt" mit Sicherheit zu.

Das Börsenpflichtblatt »Die Welt«, das in keinem Erscheinungsjahr, vermutlich an keinem einzigen Tag ohne die Quersubventionierung erfolgreicher Springer-Verbrechen hätte erscheinen können, ist der mediale Schreihals der herrschenden Ideologie. Befreit von den Zwängen des Marktes, lässt es sich offenbar besonders ungeniert für Kapitalinteressen und deren Zumutungen brüllen und stampfen.

Die Marschmusik spielt dabei aber im Netz, wo die Poschardts, Don Alphonsos und Birgit Kelles den komikfreien Spaß genießen, mittels Agitation gegen einen imaginierten linken Mainstream den ewigen Opfermythos des Nazipublikums zu bedienen; kurz: alte Jammerlappen in Brackwasser zu tränken. Doch was passiert eigentlich im Holzmüll, den die »Welt« immer noch durch die Republik karrt, obwohl selbst das systematisch blöde mittlere bis hohe Management die Papiervariante nur noch im Flugzeug als kostenlose Ablage fürs Tablet nutzt? Die Kioskverkäufe liegen wohl mittlerweile unter zehntausend, weswegen es zur Auflagenkosmetik für die verbliebenen Anzeigenkunden noch »Welt kompakt« gibt, im Kleinformat und 32 Seiten dünn.

Man möchte meinen, dass bei so eng gepresstem Schmutz, Wutschweiß und (fremder) Kohle ein ganz besonderer Blutdiamant entsteht. Doch ach, nimmt man eine kleine Kompaktwelt vom dicken Stapel in der DB-Lounge, entdeckt man höchstens gelegentliche, lau vorgetragene Angst vorm toten Kommunismus (»Erkenntnisse zum Linksruck«) und sonst Beiträge, über die Redakteure provinziellster Lokalzeitungen spotten müssten - sogar als Titelthema: »Ist das noch gut - oder muss das weg?«.

Der zugehörige Artikel hat tatsächlich einen szenischen Einstieg: »Eine Obstschale steht auf dem Tisch. Darin: Äpfel, Orangen, Zitronen. Seit Tagen hat hier keiner mehr genau hingeschaut.« Stillleben als Drama. »Die Äpfel sind schrumpelig, einer hat eine braune Stelle. Eine Zitrone hat einen weißen Pelz bekommen, direkt daneben liegt ein weiterer Apfel.« Spannung! »Klar, die Zitrone ist verschimmelt: Sie muss weg. Aber …« - aber was? Was?

Zum Glück gibt es Experten für alles, die man als Journalist befragen kann: »›Erst mal ist es wichtig, den eigenen Sinnen zu vertrauen‹«, schreibt die Ernährungsexpertin Britta Schautz - »durch Sehen, Riechen, Schmecken.« Was uns Schautz durch Sehen, Riechen, Schmecken sagt, weil sie vermutlich nicht sprechen kann, wird von einem anderen Experten namens Seitz ergänzt: »›Eine allgemeine Regel zum wieder aufgewärmten Essen gibt es leider nicht«, meint er. »Dafür sind Lebensmittel zu verschieden.« Ach was. »Sobald ein Lebensmittel schimmelt, sollte es weggeworfen werden«, sagt Seitz. Nur eine Ausnahme gibt es: Hartkäse wie Parmesan … Ob es sich aber um Schimmel oder Salzkristalle handele, sei schwer zu unterscheiden, teilt Seitz mit. Auch bei Edelschimmelkäse lässt sich mitunter schwer erkennen, ob es sich um erwünschten oder giftigen Schimmel handelt. Im Zweifelsfall und wenn der Schimmel andersfarbig ist als der Edelschimmel, sollte man ihn entsorgen, empfiehlt Seitz. Da wundert man sich, warum der Journalismus im Abfalleimer der Geschichte gelandet ist.

Die »Welt« hat also nicht nur jede Menge braune Stellen, sie ist auch in jeder ihrer Ausformungen giftiger Schimmel - und muss weg.

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