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Mit Unterschriften für den Deckel

Eine Onlinepetition fordert die Überbauung der Stadtautobahn in Berlin-Charlottenburg

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

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«Grün, Gesund, Gerecht - Deckel auf die A100!» Unter diesem Motto wirbt eine Onlinepetition auf der Plattform change.org um Unterschriften für eine Überbauung von Teilen der Berliner Stadtautobahn. Initiatorin der Kampagne ist Ülker Radziwill, SPD-Abgeordnete für Charlottenburg-Wilmersdorf. Ihr Anliegen: «Mit der Petition will ich den nötigen politischen Druck aufbauen, damit sich die Senatsverkehrsverwaltung beim Bund für eine Überdeckelung des Autobahnabschnitts zwischen Rathenauplatz und Dreieck Funkturm einsetzt», sagt Radziwill.

Tatsächlich gilt der Verkehrsknotenpunkt zwischen der A100 und der A115 in der City West schon seit langem als marode und sanierungsbedürftig. Seit Ende vergangenen Jahres laufen erste Instandhaltungsmaßnahmen. Ziel dabei ist, den Verkehrsfluss durch Ersatzbauten zu sichern. Die ohnehin geplante Modernisierung will die Sozialdemokratin jetzt nutzen, um neue Deckel über der Fahrbahn zu bauen.

Das Autobahndreieck steht für alles Negative, was der motorisierte Individualverkehr mit sich bringt«, erläutert Radziwill. Wie eine Schlucht aus Beton und Abgasen durchtrenne die Autobahn die Stadtquartiere. Lärm- und Emissionsbelastung seien für die Anwohner unzumutbar. »Ein Deckel über diesem Teil der Stadtautobahn ist für Berlin eine Jahrhundertchance«, sagt die Sozialdemokratin. Mit der Überbauung der Fahrbahn »können die Abgase abgesaugt werden und die angrenzenden Kieze wieder zusammenwachsen«. Oben entstünden zusätzliche Flächen für Parkanlagen, Wohnungen und Kleingärten. Auch als Maßnahme zur Verhinderung von Dieselfahrverboten, die die Deutsche Umwelthilfe bereits für den Abschnitt der A100 im Bereich des ICC ins Gespräch gebracht hat, sei die Deckelung gut. »Die Troglage der Fahrbahn mit dem S-Bahnring in der Mitte ist für einen Tunnel prädestiniert«, sagt Radziwill. »Das gesamte Areal wird profitieren.«

Exakt 1116 Menschen hatten die Petition bis zum Montagmittag unterschrieben. Zu den Erstunterzeichnern gehören Sozialdemokraten wie der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinhard Naumann, sowie der Berliner SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh. Auch der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) findet die Initiative gut. Landesgeschäftsführer Tilmann Heuser ruft alle Umweltfreunde dazu auf, die Petition mit ihrer Stimme zu unterstützen. »Ein Tunnel am Dreieck Funkturm ist eine Maßnahme, die die Stadt lebenswerter macht«, erklärt Heuser. Durch die Wohnungsknappheit habe der Druck auf städtische Grünflächen in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. »Wenn auf den Betondeckeln neue Freiflächen für Parks entstehen, ist das ein Gewinn für alle«, findet Heuser. Bei der Finanzierung des Vorhabens sieht er die Bundesregierung in der Pflicht. »Das Bundesverkehrsministerium muss beweisen, dass es nicht nur Autobahnen ausbauen, sondern auch die schädlichen Auswirkungen bereits bestehender Fahrbahnen auf Umwelt und Mensch reduzieren kann.«

Wie teuer eine Überbauung der Stadtautobahn A100 in Charlottenburg wäre, ist schwer zu sagen. Experten verweisen auf Erfahrungen mit ähnlichen Bauvorhaben in anderen Ländern. So wurde etwa in Boston die gesamte städtische Autobahn in einem aufwendigen Tiefbauprojekt getunnelt. Das als »Big Dig« bekannte Vorhaben gilt als das teuerste innerstädtische Straßenbauprojekt der USA. Während die Kosten anfangs auf 2,6 Milliarden US-Dollar geschätzt wurden, lagen sie bei der Fertigstellung 2004 bei fast 15 Milliarden.

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