Internet

Als die Sowjetunion das Internet plante

Dr. Schmidt erklärt die Welt

Von Wolfgang Hübner

Die russische Regierung plant ein unabhängiges Internetsystem. Ist das Internet in nationalen Grenzen überhaupt denkbar?

Jein. Es wäre dann ein großes Intranet. De facto gibt es sowas schon. Die Chinesen haben ihr internes Netz mit einer starken Firewall ziemlich abgeschottet; in historischer Anlehnung als Große Firewall bezeichnet.

Wie ist das Internet derzeit organisiert?

Wenn ich irgendwo auf der Welt etwas in die Suchmaschine Google eintippe, sucht das System nach passenden Webseiten. Jede Webseite hat eine Nummer - die sogenannte IP-Nummer. Diesen Nummern sind die Namen der Webseiten zugeordnet, die entsprechenden Adressenverzeichnisse sind auf Domain-Name-Servern gespeichert. Die meisten der großen DNS-Server stehen in den USA. Was auch immer im Netz passiert - der Großteil des weltweiten Datenverkehrs läuft über die USA und kann dort gefiltert werden. Entweder über die Server oder über die Datenkabel und Knotenpunkte.

Wobei die vielen Kabelknoten helfen sollen, den Datenverkehr flexibel zu machen.

Das war schon die Grundidee des Arpanet, das Ende der 60er im Auftrag der US-Luftwaffe entwickelt wurde. Ein dezentrales System, bei dem der Ausfall einzelner Kabelknoten, etwa wegen eines Atomschlags, verschmerzbar ist. Dafür wurde ein Protokoll entwickelt, das die Dateien in kleine Pakete zerlegt, die am Ziel wieder zur Datei zusammengesetzt werden.

Was müsste für ein national abgegrenztes Internet technisch verändert werden?

Ein Land müsste sich dafür aus der weltweiten DNS-Struktur ausklinken und ein eigenes Adress-System aufbauen. Wenn man will, kann man damit die Inhalte kontrollieren oder zensieren, denn im nationalen Rahmen ist es leichter, Server oder Seiten abzuschalten. Die Router und Knotenpunkte müssen für so ein Intranet neu konfiguriert werden. Und nur das, was der Staat wirklich nach außen dringen lassen will, gelangt dann aus dem Intranet heraus.

Das heißt, ein russischer Nutzer könnte nur russische Adressen aufrufen, oder in Russland müsste das Internet nachgebaut werden?

Das ist nicht schwierig, es kostet nur Ressourcen. Google beispielsweise speichert regelmäßig alle wichtigen Internetseiten auf eigenen Servern. Deshalb können sie so schnell Suchergebnisse auswerfen. Das ginge auch in einem nationalen Intranet. Übrigens war die Sowjetunion nahe dran, selbst das Internet zu begründen. In den 60er Jahren gab es dort einen Computerwissenschaftler, der ein sowjetisches Datennetz plante. Sozusagen ein Internet, das Tausende Großrechner miteinander verbinden sollte. Natürlich nicht für Privatzwecke, sondern für die Wirtschaft. Das war die Idee einer flächendeckenden computergestützten Gesamtplanung. Aber daraus wurde nichts.