Das Stammeln vom Grauen

Von der Geschichte und Gegenwärtigkeit des deutschen Kolonialismus.

  • Von Henning Melber
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Im Jahr 1899 erschien ein Roman, dessen Motive Francis Ford Coppola 80 Jahre später in seinem Vietnamfilm »Apocalypse Now« adaptierte: »Herz der Finsternis« von Joseph Conrad. Auf einer Reise entlang des Kongoflusses wird der Protagonist Zeuge kolonialer Gräuel - und des Todes eines Stationsleiters, der bei Conrad wie Coppola Kurtz heißt. Seine letzten, gehauchten Worte im Roman und im Film lauten: »… das Grauen, … das Grauen«.

Bis heute ist dieses Buch höchst umstritten, auch unter sich sonst Nahestehenden. Der nigerianische Schriftsteller Chinua Achebe sah es als Beispiel rassistischer Kolonialobsession. Der britische Philosoph Bertrand Russell hingegen, der immerhin das Vietnam-Tribunal mitgründete, bewunderte den von ihm als frühe antikoloniale Aufklärung gelesenen Text. Ein endgültiges Urteil wird es kaum geben. Auch nicht darüber, wie genau jenes Stammeln über das Grauen zu verstehen sei. Es erinnert aber an eine grauenhafte...

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