Werbung

Zeit für den Ruhestand

Felix Neureuther beendet in Andorra eine eindrucksvolle Sportkarriere. Der schmerzende Körper lässt ihn nicht mehr weiterkämpfen

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Im Ziel wurde es noch einmal laut. Felix Neureuther deutete eine Verneigung an, nachdem er zum letzten Mal in seiner Skikarriere über die rote Linie gefahren war. Dann kam Viktoria Rebensburg herbeigeeilt und übernahm das Kommando bei der unvermeidlichen Sektdusche, um Neureuther feuchtfröhlich im Kreise der Kollegen aus den anderen Nationen zu verabschieden. »Es wird einem so richtig klar, dass ein neues Kapitel beginnt. Das ist nicht so ohne«, sagte Neureuther.

Er hatte diesen letzten Auftritt ernst genommen, wollte nicht in Tracht wie zuvor die Schwedin Frida Hansdotter mit einer Gaudifahrt die Karriere beenden, sondern mit einer guten Leistung. Als Siebter schaffte er beim Weltcupfinale in Soldeu sogar sein bestes Saisonresultat.

Am Samstagnachmittag hatte Neureuther seinen Entschluss über die sozialen Medien mitgeteilt, seine Karriere mit dem Weltcupfinale zu beenden - eine gute Woche vor seinem 35. Geburtstag nicht wirklich unerwartet. »Mein Herz und vor allem mein Körper haben mir in den letzten Monaten deutlich zu verstehen gegeben, dass es an der Zeit ist, dieses für mich so wunderschöne Kapitel Skirennsport zu beenden«, schrieb er. Gereift ist die Entscheidung über Wochen, es war »ein Prozess, der schon etwas länger gedauert hat«, an deren Ende er habe feststellen müssen: »Mein Körper war nicht mehr bereit dafür, dass ich weiterkämpfe.«

Der deutsche alpine Wintersport verliert das derzeit größte Aushängeschild. Alpinchef Wolfgang Maier, der wie die Trainer am Donnerstag von Neureuther über das Ende informiert worden ist, spricht von Neureuther als »Galionsfigur«, den der DSV gehen lassen muss. Der Weltcupzirkus insgesamt verliert einen, wie Konkurrent Marcel Hirscher sagt, »beeindruckend feinen Kerl«.

Mit 18 Jahren hatte Neureuther sein erstes Ausrufezeichen bei der WM 2003 in St. Moritz gesetzt - sportlich, weil er im Slalom mit Bestzeit im zweiten Durchgang überraschte, vor allem aber als sympathischer Typ mit viel Humor und der Gabe, andere zu begeistern. Er hat den schwierigen Spagat zwischen Distanz und Nähe in der Öffentlichkeit hinbekommen.

In sozialen Medien gab Neureuther oft Einblicke in sein Privatleben, ohne sich aber vereinnahmen zu lassen. Seine Hochzeit im Dezember 2017 blieb somit geheim, auch konnte er sich in seiner Heimat Garmisch-Partenkirchen nahezu unbeobachtet fühlen. Ihm gelang damit, was wenige hinbekommen, die im Rampenlicht stehen: Er hat sich nie verbogen oder sich verbiegen lassen. Felix Neureuther blieb Felix Neureuther, im Erfolg wie im Misserfolg.

Dabei stand der Sohn von Doppelolympiasiegerin Rosi Mittermaier und dem Weltklasseslalomläufer Christian Neureuther frühzeitig im Mittelpunkt. Die Familienbürde lastete oft schwer auf ihm, aber er ließ sich das kaum anmerken. Neureuther war eben der Gaudibursche, der mit dem Herzen am rechten Fleck leicht durchs Leben ging. Erst später, als er oben angekommen war, gab er zu, dass die ersten Jahre schwierig gewesen seien.

Mit knapp 26 Jahren schaffte er den ersten Weltcupsieg. Neureuther nahm wie das Leben auch den Sport bisweilen ein bisschen zu locker. Konditionstraining war für ihn lange Zeit ein Übel, vor dem er sich drückte, wenn es ging. Seine Karriere nahm erst richtig Fahrt auf, als er die Notwendigkeit erkannte, sich auch einmal zu quälen.

Der erste Weltcupsieg 2010 in Kitzbühel war wie eine Erlösung für ihn. »Das war eigentlich der Moment meiner Karriere.« 2011 begann seine erfolgreichste Phase. Insgesamt gewann er fünf WM-Medaillen, fuhr zu 13 Weltcupsiegen sowie 41 Podestplätzen. Nun ist der von Verletzungen geplagte erfolgreichste deutsche Skirennläufer - trotz fehlender Olympiamedaille - endgültig abgetreten.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!