Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Marokko bei Australien

In Salah Naouras Roman für Kinder lügt sogar der Schuldirektor

  • Von Christel Becker
  • Lesedauer: 3 Min.

Die ganze Katastrophe begann vollkommen harmlos mit einem Staubsauger. Lauras Mama hatte ihn für sage und schreibe 1000 Euro von einem Mann in weißem Anzug gekauft. Ganz plötzlich waren ihr die Zimmer im Haus, die Schränke, der Garten, Flur und Kellertreppe entsetzlich vorgekommen - so schmutzig, wie sie diese noch niemals im Leben gesehen hatte. Zur Verwunderung der gesamten Familie, die keinerlei Dreck erkennen konnte, saugte, putzte und entstaubte Mama Pittel jeden Tag ein bisschen mehr. Einmal geriet sogar der von Laura frisch gebackene Kuchen in das Saugrohr des Gerätes vom Typ Ratz-Fatz-x-weg 23.

• Buch im nd-Shop bestellen
Salah Naoura: Der Ratz-Fatz-x-weg 23. Mit Bildern von Maja Bohn.
Beltz Verlag. 207 S., geb., 12,95 €.

Als Lauras kleiner Bruder sieben Jahre alt wird, entstaubt seine Mama alle Geburtstagspartygäste von unten bis oben, desinfiziert deren Hände und untersucht alle Köpfe mit einer Lupe auf Läuse. Das dauert so lange, dass die ersten Gäste schon wieder nach Hause gehen, als die letzten endlich hereinkommen dürfen.

Es kommt jedoch noch schlimmer. Frau Pittel bestellt Riesenmengen von Schwämmen und Lappen, Sprühflaschen, Universal-, Zitrus- und Essigreiniger, Bürsten, Besen, Mottenpapier, Topfkratzer und Fusselrollen. Sie verstopfen Schränke, Keller, Dachböden und den Flur, bis Papa Pittel eines Tages nicht mehr den Weg ins Wohnzimmer finden kann. In dem sitzt Mama Pittel mit einem kleinen golden verzierten Fläschchen, aus dem sie hin und wieder einen Schluck nimmt. Anschließend kratzt sie sich entweder die Hände, oder sie weint wirr vor sich hin. Auch der Blick auf ihren einst heiß geliebten Garten kann sie nicht trösten, denn diesen Garten gibt es nicht mehr. In einem Anfall von Sauberkeitswahn hat sie ihn einfach weggesaugt. Ratzfatz waren sämtliche Blumen, Büsche und Bäume verschwunden.

Als auch die Tante von Lauras bester Freundin Gerti plötzlich einen Ratz-Fatz-x-weg 23 anschafft, den sie sich in der Rucksackfunktion bestellt hat und nun auf allen Wegen mit sich führt, ist Lauras Mama bereits ins Krankenhaus eingeliefert worden. Es ist höchste Zeit, dem Spuk ein Ende zu bereiten. Laura, Robert und Gerti müssen das Geheimnis des Ratz-Fatz-x-weg 23 lüften.

Wie sie in der Staubsaugerkiste nach Marokko bei Australien düsen, dort in einer Toilette eingesperrt werden, Frau Larissa Isis kennenlernen, in Lebensgefahr geraten, sich befreien und endlich einem bösen Wüstenimperium auf die Spur kommen, ist eine höchst spannende und lustig erzählte Geschichte, von Maja Bohn mit ihren schwarz-weißen Illustrationen effektvoll ergänzt.

Wenn ein Kind am Wochenende solche Probleme zu lösen hat, kann es nicht noch Hausaufgaben machen und damit pünktlich am Montagmorgen im Unterricht erscheinen. Das versteht jeder, nur nicht Lauras Lehrerin - passenderweise heißt sie Frau Schrill. Ihr Gebrüll, die Laura Pittel aus der 3 b sei die schlimmste Lügnerin und Ausredenerfinderin der gesamten Schule, hört man bis in das Zimmer des Schulrektors. Dieser hört auf den schönen Namen Glauber und ist so fasziniert von Lauras Erzählung, dass er heimlich die Pausen verlängern lässt, um nur ja keine Fortsetzung zu verpassen. Er kann gar nicht genug davon hören und fängt am Ende selbst zu schwindeln an.

Was, das ist alles nicht zu glauben? Dann fragt doch mal Laura, Gerti und Robert. Und den Herrn Glauber natürlich.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln