Werbung

Mit Kopftuch und Friedensbotschaft

Neuseelands Premierministerin zeigt nach den Anschlägen von Christchurch gegenüber der muslimischen Gemeinschaft besonderes Mitgefühl

  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Sydney. Mit einer Mischung aus Mitgefühl und Stärke hat Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern auf die Anschläge in Christchurch reagiert. In den Krisentagen nach den Moschee-Attentaten gelang es der 38-Jährigen, den richtigen Ton zu treffen. Dem rassistische Attentäter kontert Ardern mit einer Botschaft der Toleranz.

Sie bewies ein Gespür für wirkungsvolle Symbole: Bei Treffen mit muslimischen Hinterbliebenen der Anschlagsopfer trug sie demonstrativ ein Kopftuch. Eine Parlamentssitzung am Dienstag eröffnete sie mit der arabischen Friedensbotschaft »As-Salaam Alaikum«. Eines will Ardern nicht zulassen: Dass der Attentäter nach dem Anschlag ein öffentliches Forum für seine Hassideologie erhält. Niemals werde sie seinen Namen in den Mund nehmen, sagte Ardern im Parlament. »Ich bitte Sie: Nennen Sie die Namen derer, die ihr Leben verloren, statt des Namens des Mannes, der sie auslöschte.«

Beobachter in Neuseeland reagieren mit Anerkennung auf Arderns Krisenmanagement. Die Premierministerin verbreite eine glaubwürdige Botschaft, »die starken Widerhall bei den Neuseeländern findet«, sagt die Politologin Vicki Spencer von der University of Otago. Arderns Reaktion auf die Tragödie sei »nahezu perfekt«, sagt der Kommentator David Farrar von der Internetseite Kiwiblog. Einfühlungsvermögen sei schon immer eine ihrer Stärken gewesen, mit ihrem Auftritt mit muslimischem Kopftuch habe Ardern nun ein »ikonisches Bild« geschaffen.

Über Neuseeland hinaus war die 38-jährige Labour-Politikerin bislang vor allem dafür bekannt, dass sie im Amt ein Kind bekam - erst als zweite Regierungschefin überhaupt nach Pakistans Premierministerin Benazir Bhutto.

Sechs Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Neve im Juni 2018 ging Ardern wieder zur Arbeit. Seitdem kümmert sich vor allem ihr Partner Clarke Gayford, der Moderator einer Angelsendung im neuseeländischen Fernsehen ist, um die KIeine. Als Ardern ihr drei Monate altes Baby im September zur UN-Vollversammlung in New York mitbrachte, wurde sie von Frauen weltweit als Vorbild gefeiert.

Kurz vor ihrem Wahlsieg im September 2017 hatte die damalige Oppositionsführerin noch empört reagiert, als sie in einer Talkshow gefragt wurde, ob sie plane, Kinder zu bekommen. »Es ist absolut nicht zu akzeptieren, dass Frauen im Jahr 2017 diese Frage an ihrem Arbeitsplatz beantworten müssen«, sagte die studierte Kommunikationswissenschaftlerin.

Ardern regiert in einer Koalition mit der populistischen Partei New Zealand First und den Grünen. Die von den neuseeländischen Medien ausgerufene »Jacinda-Mania« hatte sich zuletzt aber etwas abgekühlt, weil viele ihrer Pläne von New Zealand First und deren Parteichef Winston Peters ausgebremst wurden.

Nach den Anschlägen nutzte Ardern die Gunst der Stunde, um ihren störrischen Koalitionspartner zu schärferen Waffengesetzen zu bewegen. Peters, der Waffenreformen bisher abgelehnt hatte, blieb nichts anderes übrig, als an Arderns Seite einzuräumen, »dass sich unsere Welt am Freitag kurz nach 13.00 Uhr für immer verändert hat, und daher werden sich auch unsere Gesetze ändern«.

Ardern nutzte auch ein Telefonat mit US-Präsident Donald Trump, um nach den Anschlägen ein Zeichen gegen Islamfeindlichkeit zu setzen. »Er hat mich gefragt, was er tun kann«, berichtete Ardern, die wegen ihres Einsatzes für Klimaschutz und Gleichberechtigung schon zuvor die »Anti-Trump« genannt wurde. Als Antwort habe sie versucht, ihm die Stimmung in Neuseeland zu vermitteln: »Meine Botschaft war Mitgefühl und Liebe für alle muslimischen Gemeinschaften.« AFP/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!