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Unmenschliche Bedingungen in Internierungslager

Ärzte ohne Grenzen: Fast ein Viertel der Flüchtlinge und Migranten im Internierungslager Sabaa akut mangelernährt oder untergewichtig

  • Lesedauer: 3 Min.

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Ein afrikanischer Migrant sitzen am 18.04.2017 im Lager Zawiyah, 45 Kilometer von Tripolis, Libyen. Er wurde von der Küstenwache aus dem Mittelmeer gerettet.
Ein afrikanischer Migrant sitzen am 18.04.2017 im Lager Zawiyah, 45 Kilometer von Tripolis, Libyen. Er wurde von der Küstenwache aus dem Mittelmeer gerettet.

Fast ein Viertel der Flüchtlinge und Migranten im Internierungslager Sabaa in Tripolis sind akut mangelernährt oder untergewichtig. Das ist das Ergebnis eines Berichts von Ärzte ohne Grenzen, für den die Teams zweimal alle Gefangenen auf Mangelernährung untersucht haben. Die Inhaftierten berichten, sie bekämen oft tagelang kein Essen. In dem Internierungslager der libyschen Einheitsregierung, die von der EU unterstützt wird, werden derzeit mehr als 300 Menschen willkürlich festgehalten, darunter mehr als 100 Kinder und Jugendliche. Einige der Gefangenen waren in einem kleinen Raum zusammengepfercht worden, in dem jede Person weniger als einen Quadratmeter Platz hatte. Ärzte ohne Grenzen fordert die libyschen Behörden und die internationale Gemeinschaft auf, die unmenschlichen und krankmachenden Bedingungen in den libyschen Haftanstalten umgehend zu beenden.

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Seenotrettung blockiert, Küstenwache mit EU-Geldern finanziert

»Die EU-Staaten haben die private Seenotrettung im Mittelmeer nahezu lahmgelegt und die libysche Küstenwache massiv mit Booten, Ausrüstung und Geld aufgebaut«, sagt Philipp Frisch von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. »Unsere Teams sehen, dass Menschen, die mit europäischem Geld nach Libyen zurück gezwungen werden, nicht einmal ausreichend zu Essen bekommen. Das ist ein Skandal. Wir fordern die Bundesregierung dringend auf, sämtliche Unterstützung für die libysche Küstenwache auszusetzen, solange sie Schutzsuchende in eine so katastrophale Situation bringt, und sich stattdessen für den Schutz von Menschen in Libyen einzusetzen«. Solange Europa es ermöglichen würde, dass auf See gerettete Menschen in unmenschliche Haftbedingungen in Libyen zurück gezwungen werden, träge es skrupellos zu diesem Leiden bei, so Frisch.

Flüchtlinge müssen bis zu vier Tage auf Essen warten

Der Bericht zeigt, dass zwei Prozent der Inhaftierten in Sabaa an schwerer Mangelernährung leiden und dringend medizinische Behandlung brauchen. Bei fünf Prozent wurde moderate Mangelernährung festgestellt, weitere 16 Prozent sind untergewichtig. Kinder und Jugendliche sind signifikant häufiger mangelernährt als Erwachsene. Diese Ergebnisse bestätigen zahlreiche Schilderungen der Gefangenen, dass sie nur alle zwei bis drei Tage eine Mahlzeit erhalten. Neuankömmlinge müssen demnach bis zu vier Tage auf Essen warten.

Am 21. Februar hat Ärzte ohne Grenzen aufgrund der Notlage selbst Nahrungsmittel in Sabaa verteilt. An diesem Tag entdeckten die Mitarbeitenden 31 Menschen, die in einem kleinen Raum von nur 4,5 mal 5 Metern eingesperrt waren. Pro Person standen nur 0,7 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Die Menschen konnten sich nicht einmal hinlegen. Der Raum hatte keine Toiletten. Die Menschen waren gezwungen, in Eimer und Plastikflaschen zu urinieren. Trotz wiederholter Interventionen von Ärzte ohne Grenzen, sie in einen geeigneteren Raum zu verlegen, wurden die Menschen in dieser Zelle mehr als eine Woche lang festgehalten.

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»In diesem Internierungslager sind die grundlegenden Überlebensnotwendigkeiten nicht gewährleistet«, sagt Karline Kleijer, Leiterin der zuständigen Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen. »Wenn Lebensmittel, Schlafstellen und lebenswichtige Güter nicht angemessen bereitgestellt werden können, dann sollten diese Menschen von den libyschen Behörden unverzüglich freigelassen werden«, fordert sie. fhi

Den ganzen Bericht »LIBYEN: Mangelernährung im Internierungslager Sabaa in Tripolis – Screening-Bericht« finden Sie hier.

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