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Zeuge angegriffen, aber entschlossen zur Aussage

Kurz vor Prozessauftakt gegen ehemaligen AfD-Politiker in Fulda überfallen Maskierte einen Belastungszeugen

  • Von Lotte Laloire
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Wage es ja nicht, H. und L. reinzuziehen. Du hast der AfD schon genug geschadet, Verrätersschwein.« Mit diesen Worten sollen zwei maskierte Männer kurz vor Prozessbeginn gegen ein ehemaliges Vorstandsmitglied der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative einen wichtigen Belastungszeugen bedroht haben.

So schilderte es das Überfallopfer dem lokalen Nachrichtenportal move36.de. Der 44-Jährige sagte, er sei am Dienstag wie jeden Abend gegen 19 Uhr mit seinem Hund spazieren gegangen. Als er durch einen Bereich lief, wo rechts und links Büsche standen, hätten ihn plötzlich zwei Männer, die er nicht erkennen konnte, attackiert und zu Boden gedrückt. Passanten fanden kurz darauf den leicht Verletzten und verständigten die Polizei. Dort gab der Zeuge auch die folgende Drohung der Angreifer zu Protokoll: »Wenn Du aussagst, schnappen wir deine Frau.« Die Polizei bestätigte, dass der Mann als Zeuge in dem Gerichtsverfahren geladen sei, das am Donnerstag vor dem Amtsgericht Fulda beginnen würde. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Zeuge eingeschüchtert und von einer belastenden Aussage abgehalten werden sollte.

In dem Prozess geht es um Psychoterror gegen den linken Fuldaer Aktivisten und Eisenbahngewerkschafter Andreas Goerke. Angeklagt ist der 36 Jahre alte Ex-Vorstand der Jungen Alternative in Hessen wegen Missbrauchs von Notrufen und falscher Verdächtigung.

Der Beschuldigte aus dem osthessischen Künzell hat bereits abgestritten, mit der Psychoterror-Kampagne zu tun zu haben. Konkret wird ihm vorgeworfen, im Februar 2017 die Polizei angerufen und unter dem Namen Goerkes behauptet haben, seine Frau erschossen zu haben. Die Folge war ein großer Polizeieinsatz. Laut Staatsanwaltschaft wollte der Angeklagte erreichen, dass Goerke unter Mordverdacht gerät. Wie die Hessenschau berichtete, hatte der Staatsschutz den Aktivisten daraufhin stundenlang vernommen, bis fest stand: Der angebliche Mord war erfunden.

Goerke ist Sprecher des Bündnisses »Fulda stellt sich quer« - einem Verein, der gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus kämpft. Die Antifaschisten hatten 2017 erfolgreich eine Veranstaltung der AfD mit verhindert. Danach seien Goerke und seine Familie nicht mehr zur Ruhe gekommen. Wie die Hessenschau berichtete, hätte die Familie immer wieder »unerwünschte Post erhalten, darunter Mitgliederwerbung der NPD, nicht bestellte Büchersendungen, Kataloge und Pornohefte«. Goerke sah sich auch auf einem weiteren Weg extremem Psychoterror ausgesetzt: Sein damals 17 Jahre alter Sohn wurde mit dem Tod bedroht.

Eine Nachfrage des »nd«, weshalb die Staatsanwaltschaft lediglich Notruf-Missbrauch und falsche Verdächtigung zur Anklage zu bringt und nicht auch Nötigung oder Bedrohung, konnte nicht rechtzeitig beantwortet werden. Für das Verfahren sind laut einem Gerichtssprecher zunächst zwei Verhandlungstage angesetzt, der nächste am 28. März. Die Bedrohung des Zeugen dürfte auf den Prozess keinen Einfluss haben. Denn obwohl es ihm »emotional schlecht« gehe, zeigte er sich im Gespräch mit »move36.de« entschlossen, vor Gericht »definitiv« auszusagen.

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