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Tempo, Tiefe, Temperament

Um auch in der EM-Qualifikation gegen Holland zu bestehen, fehlt der verjüngten DFB-Elf noch die Konsequenz

  • Von Marco Mader und Jörg Soldwisch, Wolfsburg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Alter Chef, neuer Leader: Trainer Löw (r.) und Kimmich
Alter Chef, neuer Leader: Trainer Löw (r.) und Kimmich

Joachim Löw lächelte, väterlich sanft. Der neue Chef Marco Reus mahnte zwar mit Nachdruck eine Leistungssteigerung für die Reifeprüfung beim Erzrivalen Niederlande an, doch der Bundestrainer ließ nach dem holprigen Neustart Milde walten. Zumindest die zweite Halbzeit beim teilweise wilden 1:1 (0:1) seiner stark verjüngten Auswahl gegen Serbien sei seiner Idealvorstellung »schon sehr nahe« gekommen, behauptete Löw.

Oranje, am Sonntagabend in Amsterdam fünf Monate nach dem demütigenden 0:3 an gleicher Stelle erster Gegner in der Qualifikation zur EM 2020, habe »mehr Tempo, Klasse und Qualität« als Serbien, betonte der Bundestrainer: »Das ist schon ein anderer Prüfstein für uns.« Aber, das machte er deutlich: Der Auftritt in Hälfte zwei mit dem Treffer von Leon Goretzka (69.) »war, was die Mentalität betrifft, ein sehr gutes, deutliches Signal. Da war ich absolut zufrieden.« Umbruch geglückt!

Tatsächlich? Ganz so schnell geht es nun doch nicht, das weiß auch Löw. In Wolfsburg knirschte es beim Aufbruch in die »neue Zeitrechnung« (Löw) noch an einigen Ecken und Enden. Die jüngste Startelf seit dem Confed-Cup-Finale 2017 (Durchschnittsalter 24,2) zeigte phasenweise Jugendfußball: fehlerhaft, ja wirr - aber auch voller Sturm und Drang, Lust und Leidenschaft. Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff schätzte es so ein: »Wir wissen, dass es nicht über Nacht geht. Und wir wissen, dass wir in Holland zum jetzigen Zeitpunkt nicht der Favorit sind.«

Das führte Löw die erste Halbzeit vor Augen, in der Frankfurts Stürmer Luka Jovic die Serben verdient in Führung gebracht hatte (12.). Als Quittung gab es laute Pfiffe von den 26 101 Fans. »Das war zu wenig, wir sind immer noch Deutschland!«, schimpfte Reus, der mit Goretzka nach der Pause viel Schwung gebracht hatte. »Das war eine Warnung an uns selbst. Wir wissen, dass wir Zeit brauchen«, ergänzte Reus, »aber wir haben keine Zeit. Wir haben eine Quali - und die fängt schon am Sonntag an. Da müssen ein anderes Gesicht zeigen!« Was zu diesem (schöneren) Gesicht gehört, war nach dem Seitenwechsel zu sehen: Tempo, Tiefe, noch mehr Temperament. All das will Löw beibehalten, ergänzt durch »Konsequenz« - in der Defensive und im Torabschluss.

Mittelfristig ist Löw wieder als Entwickler gefordert, einigen seiner jungen Spieler wie dem guten Debütanten Lukas Klostermann oder Kai Havertz fehlt Reife. Kurzfristig wird er wohl wieder auf mehr Erfahrung setzen. So dürften Antonio Rüdiger und Matthias Ginter zurückkehren, Toni Kroos und dem bärenstarken Reus gab Löw eine Startelfgarantie. Für Kroos muss wohl Ilkay Gündogan weichen, obwohl er - in der zweiten Hälfte beflügelt von der Kapitänsbinde, die er »mit Stolz und großem Respekt« trug - eine gute Leistung zeigte.

In der Offensive entwickelt sich Leroy Sane immer mehr zum Fixpunkt. Der nach seiner Erkältung genesene Serge Gnabry ist eine Alternative zum glücklosen Timo Werner. Doch egal mit wem: »Verstecken müssen wir uns nicht«, sagte Gündogan, »wir haben eine tolle Mannschaft.« SID/nd

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