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Reif für die Sozialisierung

Teure Modernisierungen mit hohen Mietsteigerungen sind typisch für Wohnkonzerne

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Im Schnitt hat die Deutsche Wohnen nur 1000 Euro pro Quadratmeter für die von ihr erworbenen Wohnungen gezahlt«, sagt Christoph Trautvetter. »Wenn sie den Konzern für 2500 Euro pro Quadratmeter enteignen, machen sie ihm ein großes Geschenk«, so der ehemalige Wirtschaftsberater weiter. Im Auftrag der LINKE-nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung hat er jene privaten Immobilienunternehmen untersucht, die in Berlin mehr als 3000 Wohnungen haben.

Zehn dieser Großgrundbesitzer mit 243 000 Wohnungen hat der Senat ausfindig gemacht. »In unserer Studie kommen wir auf elf Unternehmen«, erklärt Trautvetter. »Wahrscheinlich sind es noch mehr. Genau weiß es aber niemand, weil das Grundbuch so intransparent ist.« Zusammen sind es rund 245 000 Wohnungen.

Ein Vermieter gehöre seiner Meinung nach allerdings nicht auf die Sozialisierungsliste: Die Evangelische Hilfswerk-Siedlung, der nach seinen Recherchen 4607 Wohnungen in der Hauptstadt gehören. Er macht das unter anderem daran fest, dass das Unternehmen im Gegensatz zu den anderen Akteuren (siehe Kasten) sowohl bei der Immobilienbewertung als auch den Mietsteigerungen konservativ agiert.

Der Senat habe die Hilfswerk-Siedlung auf die Liste gesetzt. »Nicht wir«, sagt Rouzbeh Taheri vom Volksbegehren »Deutsche Wohnen & Co enteignen«. Es handele sich dabei um kein klassisches Kapitalunternehmen, so der Aktivist. »Mit einer Präzisierung der Satzung des Unternehmens wäre es durchaus möglich und sinnvoll, es von der Liste zu nehmen«, erklärt Taheri. Die Beschlussvorlage des Volksbegehrens sei »flexibel genug formuliert«, um das zu ermöglichen.

»Pears Global ist eines der intransparentesten und geheimnisvollsten Unternehmen der Welt«, sagt Trautvetter. Wahrscheinlich gehöre es der britischen Milliardärsfamilie Pears, berichtet er. Covivio wiederum ist ein Kind des italienischen Milliardärs Leonardo del Vecchio, »einem Brillenmacher aus Italien, der sich als Waisenknabe hochgearbeitet hat«, so der Steuerexperte. Akelius gehört dem schwedischen Milliardär Roger Akelius und Grand City dem israelischen Milliardär Yakir Gabay.

»Bei allen Unternehmen werden Steuern vermieden, wenn nicht sogar hinterzogen«, sagt Trautvetter. Ganz oft gebe es bei den Firmensitzen die Kombination Zypern, Luxemburg »und irgendeine Nullsteueroase«. Was auch alle eint: Allein 2017 steigerten sie die Mieten um rund fünf bis sechs Prozent.

Eine weitere Gemeinsamkeit: Bei den Unternehmen, die Zahlen veröffentlichen, wird deutlich mehr Geld in die Modernisierung als in die Instandhaltung der Wohnungen gesteckt. Einzig die Vonovia kommt mit 15,70 Euro pro Quadratmeter und Jahr in die Nähe der 17 Euro, die die landeseigene Gewobag pro Jahr dafür investiert. »Ein Grund dafür kann sein, dass die Vonovia eine eigene Instandhaltungsfirma hat«, sagt Trautvetter.

In die Modernisierung fließen pro Jahr und Quadratmeter bei der Vonovia 32 Euro. Kosten, die in der Regel auf die Mieten umgelegt werden können. Zum Vergleich: Bei der Gewobag sind es zwölf Euro. Am krassesten ist das Verhältnis bei Akelius. Neun Euro pro Jahr und Quadratmeter gibt der Konzern für die Instandhaltung aus, satte 105 Euro für die Modernisierung. So inserierte Akelius erst kürzlich eine 25-Quadratmeter-Wohnung im Erdgeschoss des Kreuzberger Hauses Wrangelstraße 92 für satte 1000 Euro Kaltmiete.

»Es ist die Aufgabe des Senats zu wissen, wem Berlin gehört«, sagt Trautvetter. Die Stadt Amsterdam habe dafür allein 25 Beschäftigte eingestellt. Immerhin dafür werden schon einmal Vorarbeiten in Berlin geleistet. Es liefen Gespräche mit Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) über ein Wohnungskataster und einen einfacheren Zugang zu Grundbüchern, berichtet die LINKE-Abgeordnete Gaby Gottwald.

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