Revolution der flackernden Kerzen

Der mysteriöse Tod eines 21-jährigen IT-Studenten verbindet die bosnische Gesellschaft jenseits ethnischer Grenzen

  • Von von Elke Windisch, Banja Luka
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

»Journalistin sind Sie? Warum soll ich Ihnen glauben?« Vesna, 52, ist das Misstrauen selbst. »Vielleicht sind Sie ein Provokateur, der uns zu Randale anstiften soll, damit die Polizei wieder Anlass hat, auf uns einzuprügeln.« Ihr Ehemann Miodrag belehrt sie: »Provokateure sind männlich. Und haben keinen deutschen Presseausweis«.

50 Frauen und Männer, manchmal auch weniger, versammeln sich jeden Abend vor der Christerlöserkirche im Zentrum von Banja Luka, der inoffiziellen Hauptstadt der Republika Srpska. Schon im Mittelalter, während der osmanischen Fremdherrschaft, waren Rebellen vor den Häschern des Sultans auf Kirchengrund sicher. Rebellen? Die Menschen halten dünne Wachskerzen in den Händen. Solche, wie sie drinnen vor den Ikonen orthodoxer Heiliger brennen. Keine geballten Fäuste, keine Sprechchöre. Sie stehen einfach da. Stumm. Nur ein Schild fordert »Gerechtigkeit für David«.

»Wir«, sagt Vesna und ihre Stimme ist nicht...


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