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Gelder für die Brüder im Geiste

Die Spende des Christchurch-Attentäters an die »Identitäre Bewegung« zeugt von ideologischer Nähe

  • Von Jerome Trebing, Wien
  • Lesedauer: 3 Min.

In der Nacht zum 26. März durchsuchte die Polizei die privaten Räumlichkeiten des Kopfs der »Identitären Bewegung Österreich«, Martin Sellner, in Wien und dessen Elternhaus im niederösterreichischen Baden. Grundlage für die Durchsuchungen waren eine Spende des Christchurch-Terroristen und ein Dankesschreiben des österreichischen »Identitären«-Chefs, wie Sellner in einer Videobotschaft zugab. Am Vormittag bestätigten das Innenministerium und die Polizei die Maßnahmen.

Erschreckend und überraschend ist an diesem Ereignis weniger der Anlass selbst, sondern allen voran die unkritische mediale Berichterstattung über Sellner und dessen rechtsextreme Organisation. So erschienen die ersten Berichte bereits am frühen Morgen des 26. März, vor offizieller Bestätigung, und fast durchgehend wurden in ihnen die Aussagen aus dem Sellner-Video unkommentiert wiedergegeben. Insbesondere jene, dass die Spende ein Versuch gewesen sei, die »Identitären« mit der Ideologie des Terroristen in Verbindung zu bringen und ihr damit zu schaden. Gerade dieses Narrativ ist aber auf allen Ebenen falsch und wohl als ein von Sellner sehr gezielt gesetzter Versuch zu werten, um die mannigfaltigen Zusammenhänge irgendwie verdecken zu können.

Seit Beginn ihrer Entstehung hatten die »Identitären« in Österreich im großen Stil Spenden gesammelt und dieses Modell auf Gruppen in andere Länder übertragen. Im Rahmen der Aktion »Defend Europe«, bei der die »Identitären« mit dem Geld ein Schiff anmieteten, um die zivile Seenotrettung zu behindern, war ihnen das Spendensammeln erstmals international geglückt. Summen in Höhe von mehreren zehntausend Euro wurden damals in die Kassen der Gruppierungen gespült. Ob die Kader sich hierbei für die Herkunft der Gelder interessierten, darf in Frage gestellt werden.

Gerade aber ideologisch zeigen sich große Parallelen zwischen dem Manifest des Terroristen in Neuseeland und den Anliegen der »Identitären«. Schon früh verwies der Rechtsextremismusexperte Andreas Peham des »Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes« auf die geistige Nähe der Gruppe rund um Sellner zum rechtsextremen Terroristen Anders Breivik. Im Juli 2011 ermordete dieser 77 Menschen in Norwegen. Der basale Konsens der »Identitären«: Die Vorstellung eines gezielten »Austauschs« einer vermeintlich angestammten weißen Bevölkerung und die damit einhergehende Überzeugung, dass Europa gegen »Invasoren« verteidigt werden müsse.

Doch auch abseits vermeintlich fanatischer politischer Kleinstgruppen haben sich diese Narrationen in verschiedenen Staaten Europas fest im politischen Mainstream verankert. In Österreich, wo Sellner lebt, ist die Gruppe mit der Regierungskoalition der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) Staatsdoktrin geworden - an die selbst der FPÖ-Innenminister Herbert Kickl Anklang findet.

Dieser Zusammenhang verwundert nicht: In Österreich versammelten sich unter dem Titel »Kongress der Verteidiger Österreichs« in den letzten Jahren die Avantgarde der völkischen Reaktion. In Oberösterreich wurde über einen vermeintlichen Bevölkerungsaustausch und Politiken zur Rettung von Volk, Heimat und kulturellen Reinheitsvorstellungen diskutiert. Unter den Rednern und Teilnehmern fanden sich neben Vertretern der FPÖ und Vertretern der AfD auch allerlei außerparlamentarische Rechte sowie eine Vielzahl »identitärer« Führungsfiguren. Mit aggressivem Nationalismus und martialischen Inszenierungen gegen imaginäre Feinde vereint sich die Internationale der Nationalen. Der rechtsextreme Terror ist hierbei nicht die Tat einzelner »Verrückter«, sondern vielmehr die logische und unmittelbarste Umsetzung dieser Ideen in eine blutgetränkte Agenda der realen Tat.

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