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Neues aus dem Osten

Die Seidenstraßen

Im Osten entsteht etwas völlig Neues, das die Welt grundlegend verändern, Kräfteverhältnisse verschieben und die wirtschaftlichen und politischen Karten global neu verteilen wird. Die Europäer wollen den Zug der Zeit nicht verpassen, wie das Treffen des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Dienstag in Paris bezeugte.

Seit seinem Bestseller »Licht aus dem Osten« gilt Peter Frankopan auch in Deutschland als Experte für die Beziehungsgeschichte zwischen Asien und Europa. Der 1971 geborene Autor leitet das Zentrum für byzantinische Studien an der Universität Oxford. Mit »Die neuen Seidenstraßen« verlässt er die Welt der klassischen Historiografie. Er hat jetzt die Zukunft im Blick. Frankopan stützt sich auf eine »pluralistische« Vielfalt von Quellen, unterzieht diese selbstverständlich akribischer Kritik und bietet eine Fülle von oft unbekannten Details. Sein Buch ist im wahrsten Sinne des Wortes erkenntnisreich.

Die von China mit viel Geld ausgerufene neue Dynamik baut seiner Ansicht nach auf drei wesentlichen Faktoren auf: Das sind zunächst einmal die Verkehrswege auf dem Land und die Schaffung neuer gewaltiger Infrastrukturen für die neuen maritimen Seidenstraßen im Chinesischen Meer und vor allem im Indischen Ozean. Die bisher nur zu einem geringen Teil erschlossenen natürlichen Ressourcen, in erster Linie die Bodenschätze von Öl und Gas bis zu seltenen für modernste Technologien benötigten Elementen, bilden die zweite Säule des Projekts. Die dritte ist die eigentliche »Software«, nämlich die vertiefte internationale Kooperation teils auf bilateraler, teils auf multilateraler Basis. Frankopan stellt sie in Gegensatz zu den Auflösungserscheinungen der internationalen Kooperation, die von der Politik Donald Trumps, aber auch vom Brexit und der Uneinigkeit innerhalb der Europäischen Union ausgehen.

Der Autor verschweigt nicht die von der wirtschaftlichen Übermacht Chinas eventuell ausgehenden Risiken für kleinere Staaten im eurasischen Raum, die nicht die erforderlichen Mittel aufbringen können, um gleichwertige Partner zu sein. Die neuen Seidenstraßen umspannen einen riesigen Radius, vom Fernen Osten über Russland hin zum Mittelmeer und Afrika erreichen sie weit mehr als die halbe Welt. Frankopans Buch bringt Respekt vor diesen Dimensionen und auch die Chancen zum Ausdruck. Zugleich mahnt der Autor vor Überdehnung und Überwältigung. Die Welt wird schon in zehn Jahren ganz anders aussehen als heute. Frankopans Fazit lautet: »Die Kräfte zu verstehen, die den Wandel vorantreiben, ist der erste Schritt, um handlungsfähig zu werden. Der Glaube, diesen Wandel verlangsamen oder aufhalten zu können, wird sich als Illusion erweisen. Keine Illusion dagegen ist die Tatsache, dass sich die Seidenstraßen im Aufwind befinden. Wie sie sich verändern und weiterentwickeln, wird die Welt der Zukunft formen und bestimmen, im Guten wie im Schlechten. Denn nichts anderes haben die Seidenstraßen schon immer getan.«

Peter Frankopan: Die neuen Seidenstraßen. Gegenwart und Zukunft unserer Welt. A. d. Engl. v. Henning Thies. Rowohlt, 318 S., geb., 22 €.

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