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Die verdrängte Gefahr

Simon Poelchau zur Warnung des IWF vor neuen Turbulenzen in der Eurozone

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 1 Min.

Niemand redet mehr von der Eurokrise. Zum einen liegt das daran, dass andere Probleme wie der Brexit und die Handelstreitigkeiten mit den USA und China hinzugekommen sind. Zum anderen ist die Eurokrise aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt, weil ein paar Prozent Wirtschaftswachstum in den Krisenländern den Eindruck vermitteln, dass sie Geschichte sei. Doch der Schein trügt. So warnt die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, vor neuen Turbulenzen in der Eurozone.

Doch anders als Lagarde meint, liegt das Problem nicht allein darin, dass die Bankenunion und die Kapitalmarktunion noch nicht vollendet sind. Das eigentliche Problem ist, dass die vorherrschende Politik der vergangenen Jahre die Schieflagen in der Eurozone nicht aufgelöst, sondern zementiert hat. In Spanien und Griechenland, wo die Krise und die Austeritätspolitik am heftigsten zuschlugen, sind noch immer ein Drittel beziehungsweise fast 40 Prozent der jungen Menschen ohne Arbeit. Und der deutsche Exportüberschuss, den viele linke Ökonomen als die eigentliche Ursache für die Eurokrise ansehen, ist auch mit den zuletzt erfahrenen Dämpfern noch groß.

Wenn die Eurozone die nächste Krise überleben soll, dann braucht es also nicht nur mehr Europa, sondern ein sozialeres Europa, das nicht für die Interessen des Kapitals, sondern für die Bedürfnisse der Menschen steht.

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