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Unbeherrschte Einzelkämpfer

Nach dem Viertelfinalaus in der Deutschen Eishockey Liga stehen die Berliner Eisbären vor dem nächsten Umbruch

  • Von Jürgen Holz
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Hoffnungen der Berliner Eisbären, mit einem Sieg im sechsten Playoffspiel zum 3:3 ausgleichen und so die Entscheidung über den Halbfinaleinzug auf ein entscheidendes siebentes Match vertagen zu können, tendierten am Freitagabend schon nach dem ersten Drittel gen null. Der schnelle Rückstand von 1:4 nach 18. Minuten war praktisch bereits die Vorentscheidung. Am Ende stand ein 3:4 und das Aus nach dem 58. und letzten Auftritt in dieser Saison.

Die Rekordsieger der Deutschen Eishockey Liga (DEL) aus Berlin sind diesmal nicht an einem übermächtigen Gegner gescheitert, sondern an ihrer eigenen fehlenden Qualität, die derzeit in der DEL wohl nur die Hauptrundenersten aus Mannheim und Berlins Viertelfinalgegner München besitzen. Dass die Eisbären seit ihrem siebenten und letzten Titelgewinn 2013 in den sechs folgenden Spielzeiten nur zweimal die direkte Qualifikation für die Playoffs der besten sechs Teams erreicht haben, offenbart die Mängel im Kader nicht erst in dieser Saison, wobei diesmal der neunte Platz in der Hauptrunde das schlechteste Ergebnis seit Jahren war.

Bis zu jenem ersten Drittel in Spiel sechs vor ausverkaufter Heimkulisse war die Hoffnung dennoch geblieben, wieder ganz oben mitspielen zu können. Doch zwei Gegentore innerhalb von nicht einmal einer Minute in Unterzahl - die Berliner hatten mal wieder unnötige Strafzeiten kassiert - und obendrein ein kläglich vergebener Penalty von Austin Ortega sorgten schnell für Ernüchterung in der Arena am Ostbahnhof. Auch wenn den Eisbären in diesem am Ende doch noch dramatischen Spiel im zweiten Drittel der Anschluss zum 3:4 gelang, besaßen sie im Schlussdrittel nicht mehr die spielerischen Mittel, um die Münchner Verteidigung ernsthaft gefährden zu können.

Der Einwand von Kapitän André Rankel mag stimmen: »Wenn wir eine bessere Hauptrunde gespielt hätten, wären wir nicht auf München getroffen und hätten mehr als das Viertelfinale erreicht. In den Playoffs haben wir gezeigt, was möglich gewesen wäre.« Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Hauptrunde genau für die Festlegung der Paarungen im Saisonendspurt wichtig ist.

Das desaströse Auftreten der Eisbären über weite Strecken dieser Spielzeit war nicht nur verletzungsbedingten Ausfällen von bis zu sieben Spielern geschuldet. Ja, es stört den Rhythmus, wenn Verteidigungs- und Angriffsreihen immer wieder umgestellt werden müssen. Jedoch verstanden die Spieler Eishockey zu oft weniger als Mannschafts- denn als Individualsport und zeigten sich gedanklich nicht auf der Höhe. Diese Schwäche vermochten weder der zu Beginn vom Co- zum Cheftrainer beförderte Clement Jodoin, der nach 13 Niederlagen im Dezember abgelöst wurde, noch sein Nachfolger Stephané Richer auszumerzen. Hinzu kamen mangelndes Zweikampfverhalten und viele Undiszipliniertheiten, die in Strafzeiten mündeten. So gesehen geriet das sechste Viertelfinalspiel zum Spiegelbild der Saison.

»Wir haben jetzt Zeit, alles zu überdenken. Wir werden in den kommenden Tagen und Wochen mit der sportlichen Führung und den Spielern über die Zukunft reden«, kündigte Berlins Geschäftsführer Peter John Lee an. Dabei geht es auch um einen neuen Cheftrainer, denn Richer, Sportdirekter und Interimscoach in Personalunion, bestätigte am Freitagabend: »Das war mein letztes Spiel als Trainer.« Die Nachricht, dass der 44-jährige Kanadier Serge Aubin - vor Jahren unter Richer Trainer der Hamburg Freezers und zuletzt in Zürich entlassen - neuer Cheftrainer der Eisbären wird, nannte Lee »ein Gerücht«. Es gäbe »noch zwei, drei Kandidaten«.

Lee stellte indes schon klar, dass es erhebliche Veränderungen im Kader geben werde. Welche Verträge aufgelöst werden, ließ er aber offen. Die einst erfolgreiche Generation um André Rankel, Frank Hördler, Jens Baxmann und Florian Busch, die maßgeblich an den sieben Titeln beteiligt war, hat längst ihren Leistungszenit überschritten. Und von den ausländischen Profis haben nur drei einen Vertrag über diese Saison hinaus. Als erste Verpflichtung, so verlautete, stehe Leonhard Pföderl von Ligakonkurrenten Nürnberg fest.

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