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Rechter Fackelmarsch zum Stillstand gezwungen und umzingelt

Eine Sitzblockade stoppte vorübergehend 200 extrem Rechte bei einem Fackelmarsch in Magdeburg / Insgesamt 500 Menschen protestierten gegen Rechts.

  • Von Hardy Krüger
  • Lesedauer: 3 Min.

Mit einer Großdemonstration wollte eine rechte Bürgerinitiative am Samstag durch Magdeburg marschieren. Doch die als Fackelmarsch angekündigte Versammlung war am Ende weder groß noch bürgerlich. Stattdessen versammelten sich kaum mehr als 200 Angehörige einer extrem rechten »Mischszene« aus Angehörigen der AfD-Abspaltung »Aufbruch deutscher Patrioten«, Republikaner, NPD und parteilosen Neonazis miteinander.

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Gemeinsam wollten sie die »Heimat verteidigen« und »für sichere Städte und die Zukunft unserer Kinder« demonstrieren. Ziel war der Hasselbachplatz im Süden der Magdeburger Altstadt. Er gilt als »Kriminalitätsschwerpunkt« – insbesondere das Verhalten alkoholisierter Jugendlicher führt immer wieder zu Polizeieinsätzen. Für die extrem rechte Bürgerinitiative scheinen aber ausschließlich Migranten für die Kriminalität dort verantwortlich zu sein. »Deutsche Opfer, fremde Täter« lautete ihr Leitspruch auf dem Frontbanner.

Die Veranstalter des »Fackelmarsch« knüpfen damit an Thesen der AfD an, deren Magdeburger Spitzenkandidat für die Kommunalwahlen im Mai 2019 behauptet hatte, dass die »Willkommenskultur der Weltkanzlerin (…) entscheidend zur Verschärfung der Situation« auf dem Hasselbachplatz beigetragen habe. Die Ausschreitungen alkoholisierter Fußballfans auf dem Platz schienen dagegen sowohl der Partei als auch der rechten Bürgerinitiative entfallen zu sein.

Das erhoffte Zeichen, dass gestern am Hasselbachplatz mit Brandfackeln gesetzt werden sollte, scheiterte hingegen bereits im Ansatz – an der geringen Resonanz der extrem rechten Mobilisierung. Beim letzten Fackelmarsch, am 10. November 2018, standen immerhin noch 500 aggressive Rechte einer damals unterbesetzten Polizei gegenüber.

Sitzblockade hält Aufmarsch in Schach

Am Samstag waren jedoch augenscheinlich viel mehr Beamte im Einsatz. Sogar Wasserwerfer wurden herangezogen, um das Versammlungsgeschehen abzusichern. Doch trotz der massiven Polizeipräsenz gelangten 35 Antifaschisten kurz nach Beginn des Fackelmarsches der Rechten auf die Marschroute.

Der friedliche Protest in Form einer Sitzblockade hielt den rechten Aufmarsch fast eine Stunde in Schach. Während die Polizei die Demonstranten mehrfach aufforderte, die Aktion zu beenden, nutzten die Rechten die unfreiwillige Marschpause für eine Zwischenkundgebung. Anfangs selbstbewusste Redebeiträge wandelten sich dort aber immer mehr in Frustration um.

Einzelne Versammlungsteilnehmer wollten auf eigene Faust zum Hasselbachplatz durchstürmen. Ein Redner drohte sogar mit der Auflösung der Versammlung, wenn der Aufzug nicht binnen wenigen Minuten weitergeführt werden dürfen. Daraufhin lösten die Beamten die Sitzblockade unter Einsatz von Zwangsmitteln auf.

Die Blockierer wurden umstellt und einzeln in eine Seitenstraße verfrachtet. Weiterhin wurden sie von einem Polizeibeamten abfotografiert und die Identitäten festgestellt. Anschließend bedanken sich die rechten Marschierer bei der Polizei und zogen dann weiter zum Hasselbachplatz. Doch auch dort blieb deren Versammlung nicht ungestört.

Insgesamt 500 bei Protesten

Am Hasselbachplatz positionierten sich ungefähr 200 Antifaschisten mit schrillen Pfiffen, Rufen und mit Vuvuzelas gegen den Fackelmarsch. Auch die Rechten wurden nun lauter und aggressiver. Nach verbalen Beschimpfungen flogen vereinzelt Gegenstände. Ein Teilnehmer des Fackelmarsches wurde schließlich durch Polizeibeamte überwältigt. Er soll eine Flasche in Richtung der Gegendemonstranten geworfen haben. Einzelne Gegner warfen daraufhin Eier zurück.

Die Gegenkundgebung am Hasselbachplatz wurde von den »Ravenden Europäern gegen die Idiotisierung des Abendlandes« (REGINA) initiiert. Sie war Teil eines antifaschistischen Versammlungsnetzes, welches den Fackelmarsch in allen Richtungen umgab und somit den Aktionsraum der Rechten auf einen Teil der Magdeburger Altstadt beschränkte.

Am Westausgang des Hauptbahnhofes führte beispielsweise Seebrücke Magdeburg eine Kundgebung durch. Am Ulrichsplatz im Osten versammelten sich wiederum die Falken und vom Universitätsplatz im Nordosten starteten ungefähr 200 Teilnehmende unter dem Motto: »Für Menschenrechte, ohne Nazis« Richtung Altstadt. Insgesamt beteiligten sich ungefähr 500 Menschen an den Protesten gegen den extrem rechten Fackelmarsch.

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