Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Elektroautos karren Arbeitsplätze weg

Volkswagenwerk Emden verabschiedet sich vom Verbrennungsmotor - Umstellung bis 2025

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 3 Min.

Unter einer golden glänzenden 30.000.000 hatten sich vor kurzem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Volkswagenwerks Emden neben einen silbermetallicfarbenen VW-Passat geschart. In ihrer Fabrik war der Wagen mit der hohen Jubiläumszahl entstanden, die den Jahrzehnte währenden Erfolg des 1973 erstmals vom Band gelaufenen Typs belegt. Inzwischen ist der Passat-Boom spürbar abgeebbt, und ob allen VWlern in der niedersächsischen Seehafenstadt nach Jubelfeier zumute war, darf bezweifelt werden. Wird doch die bevorstehende Umstellung des Werkes auf Fahrzeuge mit Elektroantrieb so manchen Arbeitsplatz kosten.

Mehr als eine Milliarde Euro will Volkswagen in den Standort Emden stecken, um dort Abschied zu nehmen vom Verbrennungsmotor und sich ganz der Elektromobilität zuzuwenden. Nach derzeitiger Planung könnte bereits 2022 der erste batteriebetriebene Wagen die ostfriesische Autoschmiede verlassen, 2025 soll die Umstellung abgeschlossen sein. Bis zu 320 000 Elektrofahrzeuge jährlich, so schätzt das Unternehmen mittelfristig, seien eine durchaus denkbare Produktionsgröße für Emden.

Für die Herstellung eines Elektroautos werden weniger Arbeitskräfte benötigt als für ein Fahrzeug mit Benzin- oder Dieselantrieb. Dies ist eine Tatsache, die unter der Stammbelegschaft von 9000 Beschäftigten trotz der VW-Beschäftigungsgarantie bis 2028 teils arges Magendrücken, ja Zukunftsängste auslöst. Zwar spricht der Konzern von »sozialverträglichen Lösungen«, bietet Auswege über Abfindungen, Ruhestand oder Arbeit an anderen Standorten. Aber einen Umzug, das ist auch bei ähnlichen Situationen in anderen Firmen immer wieder zu hören, halten viele Menschen für nicht zumutbar. Sei es wegen des Aufgebens sozialer Beziehungen, sei es die Bindung ans zusammengesparte Häuschen.

Wie viele Menschen im Werk ihre Stelle verlieren werden, lasse sich noch nicht sagen, beschied Werkleiter Andreas Dick jüngst während eines »Medientages«, an dem VW Emden das neue Konzept vorstellte. Die Zahl 3000, die vor einiger Zeit durch Medien geisterte, sei allerdings »unseriöse Panikmache«.

Bekannt dagegen ist die Zahl der befristeten Kräfte im Werk: rund 500 sind es, ihre Jobs fallen weg. Auch ihnen hat Volkswagen anderswo neue Beschäftigungen angeboten, sowohl im 400 Kilometer entfernten VW-Werk Kassel oder aber an Porsche-Standorten in Baden-Württemberg. Die sind sogar 650 Kilometer weit weg von Emden. Einige der Betroffenen haben auf Verbleib bei VW geklagt und argumentieren: Sie waren schon vor ihrer befristeten Anstellung durch Volkswagen im Werk tätig: über eine Zeitarbeitsfirma, in der Summe also fünf Jahre. Befristet darf ein Arbeitsverhältnis nur zwei Jahre lang sein, danach muss der Arbeitnehmer entlassen werden oder das jeweilige Unternehmen muss das Arbeitsverhältnis in ein unbefristetes umwandeln. Für Ende Mai hat das Arbeitsgericht eine Verhandlung angesetzt.

Vielleicht wird es auch unbefristet Tätigen mulmig, wenn sie sehen, wie sehr die Automation im Werk dort fortschreitet. So wurde den Medien ein Roboter präsentiert, der Kofferraumklappen und Türen in Autos einbaut - eine Aufgabe, die bislang stets den Einsatz von Menschen erforderte. Ein Hoffnungsschimmer in punkto Arbeitsplatz könnte womöglich eine andere »neue Botschaft« des Werkes bringen: Es will viele seiner nahezu 1000 Zulieferer nach Emden bewegen, um durch kürzere Transportwege Kosten zu sparen und auch im Sinne eines verminderten Kohlendioxid-Ausstoßes, heißt es aus der Chefetage, und: Vielleicht böten sich ja durch jene Unternehmen neue Arbeitsplätze in der Hafenstadt und in ihrer Nähe.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln