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Biss und Beine

Deutschlands größtes Rundfahrttalent Maximilian Schachmann überzeugt im Baskenland

  • Von Tom Mustroph
  • Lesedauer: 4 Min.

Eine gewisse Übung mit großformatigen Champagnerflaschen hat Maximilian Schachmann mittlerweile. Der 25-jährige Berliner gewann schon im März eine Etappe bei der stark besetzten Katalonienrundfahrt. Aktuell setzt er bei der Baskenlandrundfahrt noch einen drauf. Drei Etappensiege bislang - einer beim Zeitfahren, die andere in den Bergen, dazu das Gelbe Trikot. Das kann sich sehen lassen.

»Ich muss mich beim ganzen Team bedanken. Die Jungs haben mich wie immer voll unterstützt und mich im Finale in eine gute Position gebracht. Ich hatte gute Beine und konnte so am Ende den Sieg einfahren und mein Leadertrikot verteidigen«, fasste Schachmann die Ereignisse der dritten Etappe in Estibaliz zusammen. Einen Tag später siegte er aus einer Fluchtgruppe heraus. Die Aussagen belegen zweierlei: Schachmann ist sich der Hilfe, die er bei seinem neuen Rennstall Bora-hansgrohe bekommt, vollkommen bewusst. Er macht aber auch etwas daraus. Er hat den Biss, die Beine und das renntaktische Gespür, die Vorarbeit seiner Kollegen mit Siegen zu veredeln.

Damit ist er für sein Team gewissermaßen zum Ersatz für Peter Sagan geworden. Denn beim Weltmeister läuft es nicht. Erst beeinträchtigte ein Virus seinen Formaufbau für den Eintagesklassiker Mailand - Sanremo. Dort wurde er immerhin noch Vierter. Bei den Rennen danach gelang ihm nicht einmal dies. Form und Glück scheinen den einstigen Strahlemann aus der Slowakei verlassen zu haben.

In die Bresche springt mit jetzt schon fünf Saisonsiegen Schachmann. Erstmals ins Rampenlicht gefahren hatte sich der Berliner im vergangenen Jahr beim Giro d’Italia, damals noch im Trikot des belgischen Rennstalls Quick Step. Da durfte er einige Male schon als bester Jungprofi aufs Podest steigen und holte sich in der letzten Woche einen Etappensieg. Das zeugte von Willenskraft. Denn der ehrgeizige Athlet hatte verdauen müssen, dass er in der zweiten Woche von Atemwegsproblemen gehandicapt war und dadurch nicht wie erhofft mit den Besten am Berg mithalten konnte. In der dritten Woche ein Ausreißversuch erfolgreich zu beenden, weist auf außergewöhnliche Regenerationsfähigkeiten und intelligentes Ressourcenmanagement hin. »Es ist schon schade. Ich wollte das Rennen auf die Gesamtwertung fahren. Nach der Erkrankung musste ich mir andere Ziele setzen. Jetzt bin ich natürlich glücklich mit dem Etappensieg«, erzählte er damals »nd« - und eröffnete damit einen Blick in ein ganz ehrgeiziges Sportlergemüt. So ziemlich jeder andere Rennfahrer im zweiten Profijahr hätte sich voll und ganz über den Etappensieg gefreut. Dieser junge Bursche aber trauerte noch ein wenig der verlorenen Top-10-Position im Klassement nach. Das ist eine Mentalität, die Sieger auszeichnet.

Mit seinem neuen Juwel will der deutsche Rennstall Bora-hansgrohe sorgsam umgehen. »Wir wollen Maximilian behutsam aufbauen. Er soll schon jetzt seine Chancen in kleineren Rundfahrten als Kapitän erhalten und wird auch bei den Ardennenklassikern dabei sein. Er ist ein vielseitiges Talent, ein sehr starker Zeitfahrer, der gut über die Berge kommt und auch im Finish schnell sein kann. Wie gut er bei dreiwöchigen Rundfahrten ist, werden wir in Zukunft sehen. Bei der Tour de France wird er in diesem Sommer dabei sein, vor allem um zu lernen«, umriss Enrico Poitschke, sportlicher Leiter bei Bora-hansgrohe, gegenüber »nd« die Pläne.

Schachmann sieht sich als Rundfahrer. »Das ist doch der Traum von fast jedem Rennfahrer«, sagte er »nd«. Den Punch dafür holt er sich weiterhin in seiner Geburtsstadt Berlin. »Ich bin in Lichtenberg aufgewachsen, jetzt nach Köpenick gezogen, auch wegen der schönen Routen zum Müggelsee oder nach Bad Saarow, Buckow oder Strausberg«, erzählte er. Dass sich dort keine Alpengipfel auftürmen, stört ihn nicht: »Am Ende ist Bergfahren nichts anderes als Zeitfahren, nur eben mit wenig Gewicht. Man muss das auch so sehen: Wenn man in den Bergen trainiert, fährt man zwar immer auch berghoch, aber die Hälfte des Trainings fährt man auch bergrunter. In Berlin muss ich die ganze Zeit treten.« Das ist Pragmatismus, der zu Erfolgen führt.

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