Für kubanische Talente wie hier in Vinales ist die MLB weit entfernt.
Baseball

Zur Flucht gezwungen

Wollen kubanische Baseballer in den USA Geld verdienen, müssen sie dank Donald Trump nun doch wieder auf gefährlichen Wegen ihre Heimat verlassen.

Von Andreas Knobloch, Havanna

US-Präsident Donald Trump legt erneut die Axt ans Erbe seines Amtsvorgängers Barack Obama an. Und diesmal trifft es den Sport: Anfang der Woche kippte die US-Regierung die historische Vereinbarung zwischen der US-Profiliga Major League Baseball (MLB) und Kubas Baseballverband. Diese war erst im Dezember nach drei Jahre langen Verhandlungen geschlossen worden und sollte helfen, den modernen Menschenhandel mit kubanischen Sportlern zu beenden.

Laut Vertrag hätten US-Klubs kubanische Spieler verpflichten dürfen, die älter als 25 Jahre sind und mindestens sechs Jahre in der heimischen Liga gespielt haben. Dafür hätte Kubas Verband pro Spieler eine vom Vertrag abhängige Ablösesumme erhalten. Die MLB hat ähnliche Vereinbarungen auch mit anderen Ligen geschlossen, etwa in Japan und Südkorea. In dem Versuch, »die Vereinbarung voranzubringen«, veröffentlichte Kubas Verband vor wenigen Tagen noch eine Liste 34 junger Spieler, die von MLB-Klubs verpflichtet werden könnten, obwohl sie die festgelegte Altersgrenze oder die Anzahl gespielter nationaler Meisterschaften noch nicht erreicht haben. Selbst dieses Entgegenkommen aber sollte nicht reichen.

Die US-Regierung erklärte den Pakt nun für illegal. Er verstoße gegen US-Recht. Denn der Baseballverband Kubas sei Teil der Regierung und Geschäfte mit ihm deshalb verboten. Die US-Blockadegesetze untersagen jedem US-Unternehmen, also auch der MLB, jedwede kommerzielle Verbindungen mit der kubanischen Regierung. Unter Barack Obama war noch die Unabhängigkeit des Verbandes festgestellt und damit der Weg für die Übereinkunft geebnet worden.

Kubanische Sportler müssen nun erneut nachweisen, Einwohner eines Drittlandes zu sein und alle Brücken nach Kuba abbrechen; erst dann dürfen sie von einem US-Klub angestellt werden. Eine Regelung, die einzig für kubanische Sportler gilt. Und die sorgt seit Jahren für gefährliche Fluchten und einen blühenden Schwarzmarkt rund um kubanische Baseballspieler. Hunderte Talente und gestandene Spieler sind in den vergangenen Jahren auf abenteuerlichen Wegen in die USA gelangt. Es ist ein Millionengeschäft.

Die US-Regierung behauptet, Obama hätte den Handel mit kubanischen Spielern lediglich institutionalisiert. Mit dem MLB-Deal würden die Spieler weiterhin »gehandelt« - allerdings durch die kubanische Regierung statt durch Schleuser. »Die Vereinigten Staaten unterstützen keine Maßnahmen zur Institutionalisierung eines Systems, durch das eine kubanische Regierungsinstitution die Gehälter hart arbeitender Sportler kassiert, die nur in einer freien Gesellschaft leben und arbeiten wollen«, erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Garrett Marquis. Die Regierung hoffe, mit der MLB zusammenzuarbeiten, um »Wege zu finden, wie die kubanischen Spieler die individuelle Freiheit bekommen, von ihrem Talent zu profitieren, und nicht als Eigentum des kubanischen Staates.«

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Aufhebung der Übereinkunft ist Teil der Venezuela-Strategie Trumps. Havanna soll unter Druck gesetzt werden, seine Unterstützung für die Regierung von Nicolás Maduro aufzugeben. Wenige Stunden bevor der Baseballdeal gecancelt wurde, hatte US-Sicherheitsberater John Bolton getwittert: »Kuba möchte seine Baseballspieler als wirtschaftliche Spielfiguren einsetzen - es verkauft ihre Rechte an die Major League Baseball. Amerikas nationaler Zeitvertreib sollte dem kubanischen Regime nicht die Unterstützung von Maduro in Venezuela ermöglichen.« Bolton war es auch, der die Metapher der »Achse des Bösen« (Irak, Iran und Nordkorea) aus der Zeit von George W. Bush durch die »Troika der Tyrannei« ersetzte, wozu er neben Venezuela und Kuba auch Nicaragua zählt.

Erst kürzlich hat Trumps Regierung die Sanktionen gegen Kuba wieder verschärft. Anfang März aktivierte sie eine zuvor ausgesetzte Klausel des Helms-Burton-Gesetzes. Damit können kubanische Unternehmen, die nach der Revolution beschlagnahmten und verstaatlichten Besitz nutzen, vor US-Gerichten auf Schadensersatz verklagt werden. Bald könnte das auch ausländische Unternehmen treffen. Zudem verhängte Washington vergangene Woche Sanktionen gegen Schifffahrtsunternehmen, die Öl von Venezuela nach Kuba transportieren.

»Trump, Bolton, Rubio [republikanischer Senator für Florida und Triebfeder der neuen Kuba-Politik der USA, Anm. d. A.] haben das Abkommen mit der MLB zerstört. Perverse und hinterhältige Seelen. Bessere Zeiten für die USA und den Sport müssen kommen«, twitterte der kubanische TV-Journalist Randy Alonso Falcón. Und Kubas Baseballverband ließ verlauten: »Die Übereinkunft mit der MLB versucht Menschenhandel zu stoppen, Kooperation zu fördern und das Niveau von Baseball anzuheben. Jede gegenteilige Behauptung ist Fake News. Politisch motivierte Angriffe gegen das Abkommen schaden den Athleten, ihren Familien und den Fans.«

Auch die MLB veröffentlichte am Montag eine Stellungnahme. Man stehe weiterhin zu dem Ziel der Übereinkunft, den Menschenhandel mit Spielern zu beenden, hieß es darin. Und Ben Rhodes, einst stellvertretender Sicherheitsberater von Obama und maßgeblich an der Annäherung zwischen den USA und Kuba beteiligt, nannte die Entscheidung Trumps »grausam und keinem Zweck dienlich. Es ist ein humanitäres Problem für diese kubanischen Spieler und ihre Familien.«