Die Zeit allein heilt keine Wunden

Zum Gedenken an die Opfer des Völkermords in Ruanda gerät das Erbe der Hinterbliebenen fast in Vergessenheit. Zwei Betroffene über das schwierige Verhältnis von Tätern und Opfern.

  • Von Leon Willner
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.
Vor der Verfolgung der Hutu flüchteten 1994 viele Tutsi in die Nachbarländer. Eines der größten Flüchtlingslager wurde in Benako, Tansania, errichtet.

25 Jahre nach dem Genozid ist viel Prominenz in Ruanda: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker entzündet eine Flamme am »Kigali Völkermord Denkmal«, Ex-Kolonialherr Deutschland schickt Altbundespräsident Horst Köhler, Ex-Kolonialherr Belgien entsendet Premierminister Charles Michel. Ruandas Präsident, Paul Kagame, der einst mit der Rebellengruppe RPF die Hutu-Extremisten stürzte, sagt: »Ruanda ist wieder eine Familie.«

Die Rede des Präsidenten hat Alphonse Hakizimana wahrscheinlich nicht gesehen, er hat doch keinen Fernseher. »Verdammt, ich habe heute nicht einmal ein Mittagessen gehabt«, sagt er bei einem Treffen in einem Restaurant im Osten der Hauptstadt Kigali. »Glaubst Du, das ist fair?«

Alphonse Hakizimana weiß nicht, wann er geboren wurde. Vielleicht am 6. April 1994, als der Abschuss des Flugzeugs des damaligen Präsidenten Ruandas, Juvénal Habyarimana, den Auslöser der Massenmorde bildete. Vielleicht, als die Ver...

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