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Erinnerung ohne Zwischenfälle

In der Gedenkstätte Ravensbrück wurde des 74. Jahrestags der Befreiung gedacht

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es war ein starkes antifaschistisches Zeichen. In der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück fand am Sonntag die zentrale Gedenkfeier zur Befreiung des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück statt. Im Vorfeld hatte es heftige Debatten um Konflikte zwischen antifaschistischen Initiativen wie der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis und polnischen Teilnehmer*innen mit nationalistischen Positionen gegeben.

Die Leiterin der Gedenkstätte, Insa Eschebach, versuchte es in ihrem Grußwort angesichts der angespannten Atmosphäre im Vorfeld mit Vermittlung: »Gehen Sie aufeinander zu.« Ravensbrück sei »kein Ort für Symbolpolitik«, sondern ein »Ort des Gesprächs«. Es lohne sich, aufeinander zuzugehen, befand auch Dietmar Woidke (SPD), der Ministerpräsident Brandenburgs. Sprachmittler und Polizei sollten eine Veranstaltung ohne Konflikte gewährleisten.

Viele Anwesende hatten zum Ausdruck gebracht, dass sie sich vor allem dafür einsetzen wollen, dass die viel zitierte Solidarität der hier vor über 74 Jahren Inhaftierten gegen den ideologischen Vernichtungswillen der nationalsozialistischen Täter*innen nicht nur damals eine politische Widerstandshandlung war, sondern auch ein aktuelles politisches Vermächtnis ist.

Ähnlich formulierte es Ambra Laurenzi vom Internationalen Ravensbrück Komitee (IRK) aus Italien. Angesichts der europaweit zunehmenden »gefährlichen Übergriffe auf Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Glaubens« rief sie die zweite und dritte Generation nach den Überlebenden von Ravensbrück dazu auf, den »Respekt vor der Geschichte und den Menschen gegen jede Gewalt« zu verteidigen.

Die antifaschistische Losung »Nie wieder Krieg. Nie wieder Ravensbrück« gab bei ihrer Rede auch Hanna Nowakowska aus, polnische Vizepräsidentin des IRK. »Wir sind in Solidarität verbunden. So wie die Frauen hier sich nicht spalten ließen.«

Robert Philipp, der als Bürgermeister von Fürstenberg seit vielen Jahren engagiert an den Gedenkfeiern in Ravensbrück und auf dem Gelände des ehemaligen Jugendkonzentrationslagers Uckermark teilnimmt, sprach sich sehr deutlich dafür aus, demokratische Errungenschaften nicht für selbstverständlich zu nehmen. »Wir leisten im Kleinen oft nicht das, was wir hier im Großen verkünden.« Er forderte, antidemokratischen Bestrebungen mit »ehrlichen Antworten und Zurückweisungen« zu begegnen.

2018 hatten mehrere polnische Teilnehmer Armbinden der Gruppierung Narodowe Sily Zbrojne (NSZ) (Nationale Streitkräfte) bei der zentralen Gedenkveranstaltung getragen. Die NSZ sind historisch eine antisemitische Abspaltung der polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa). Teile der NSZ hatten sich zum Ende des Zweiten Weltkriegs mit Einheiten der deutschen Waffen-SS gegen die Armia Krajowa verbündet. Träger*innen eines Transparents der Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis hatten vor einem Jahr versucht, das Gedenken an die nationalsozialistisch Verfolgten gegenüber der Bekundung militärischen Gedenkens in den Vordergrund zu stellen. Dem hatten sie nicht nur symbolpolitisch Ausdruck verliehen. Mit ihrem Transparent zur Erinnerung an die in Ravensbrück ermordeten Frauen stellten sie sich vor die polnische Gruppe, als diese beim jüdischen Totengebet demonstrativ ihre Fahnen entrollte. Eine Diskussion über dieses Ereignis im Frühjahr in der Rosa-Luxemburg-Stiftung war regelrecht eskaliert (»nd« berichtete).

In der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück hatte man nun kurz vor dem Wochenende per historischem Gutachten die Feststellung getroffen, dass es sich bei der NSZ tatsächlich um eine Organisation handele, die im besetzten Polen »nachweislich massive antisemitische Propaganda betrieben hat, die mit Morden an Juden beziehungsweise deren Denunziation einherging«. Zeichen und Symbole der NSZ im Kontext des 74. Jahrestags der Befreiung könnten deshalb nicht zugelassen werden.

Man hielt sich daran und so blieb es, wie Matthias Heyl, pädagogischer Leiter der Gedenkstätte bilanzierte, »angenehm friedlich«.

Sylvia Degen von der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark ist ebenfalls erleichtert: »Wir freuen uns, dass die diesjährige Befreiungsfeier ohne Zwischenfälle und Provokationen durch Nationalist*innen stattfinden konnte. Viele Leute aus unterschiedlichen europäischen Ländern haben sich klar antifaschistisch positioniert. Das zeigt, dass das Thema Erinnern, Mahnen und Gedenken nicht nur ›immer noch‹, sondern ›gerade jetzt‹ wichtig ist.«

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