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Anklage gegen Winterkorn erhoben

Staatsanwaltschaft Braunschweig wirft Ex-VW-Chef besonders schweren Betrug im Dieselskandal vor

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 2 Min.

Einst löste Martin Winterkorn eine Debatte über ausufernde Managergehälter aus. Über 17 Millionen Euro verdiente er damals als am besten bezahlter Manager hierzulande. Nun könnte der ehemalige VW-Chef im Gefängnis landen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat Anklage gegen ihn erhoben, wie die Behörde am Montag mitteilte. Sie wirft Winterkorn im Rahmen des Diesel-Abgasskandals besonders schweren Betrug, Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb sowie Untreue vor.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Juni 2016 gegen Winterkorn. Sie hat neben ihm nun auch gegen vier andere Manager des Konzerns Anklage erhoben. Den fünf Führungskräften wird vorgeworfen, frühzeitig von der Existenz der illegalen Abschaltvorrichtungen gewusst zu haben, mit denen der Wolfsburger Autobauer die Abgaswerte von Diesel-Pkw manipulierte.

Die Angeklagten hätten dies »bewusst« verschwiegen, »um den steigenden Anforderungen an geringen Schadstoffausstoß bei Dieselfahrzeugen scheinbar zu entsprechen und VW die bestehenden Marktanteile zu erhalten beziehungsweise diese zum Wohl des Konzerns und der Angeschuldigten selbst noch zu vergrößern«, teilte die Behörde mit. Zu diesem Zweck seien die entsprechenden Dieselfahrzeuge offensiv und wahrheitswidrig als besonders schadstoffarm und umweltfreundlich beworben worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft insbesondere dem ehemaligen Konzernchef Winterkorn vor, dass er es als »Garant« unterlassen habe, die Behörden in Deutschland und den USA sowie die Kunden von den Manipulationen zu informieren. Auch soll Winterkorn trotz besseren Wissens nicht verhindert haben, dass weitere Abschalteinrichtungen verbaut wurden.

Der Betrug war im September 2015 durch Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA aufgeflogen. Winterkorn soll schon im Mai 2014 davon gewusst haben. Laut Anklageschrift soll er sogar noch versucht haben, sie zu vertuschen. So habe der Konzern mit seiner Billigung im November 2014 ein 23 Millionen Euro teures Softwareupdate durchgeführt, »das nutzlos war und dazu dienen sollte, den wahren Grund für die erhöhten Schadstoffwerte im Normalbetrieb der Fahrzeuge weiterhin zu verschleiern«.

Letztlich musste VW einräumen, rund um den Globus in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine illegale Software eingesetzt zu haben. Der Skandal kostete den Konzern bisher 29 Milliarden Euro. Winterkorn musste kurz nach Bekanntwerden der Affäre seinen Hut nehmen. Gegen ihn laufen auch in den USA Ermittlungen, wo die Behörden vergangenes Jahr einen Haftbefehl gegen ihn ausstellten.

Das Landgericht Braunschweig prüft derzeit, ob es die Klage der Staatsanwaltschaft zulässt. Kommt es zu einer Verurteilung, könnte Winterkorn für lange Zeit ins Gefängnis wandern. Für besonders schweren Betrug kann es bis zu zehn Jahre Haft geben.

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