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Choräle für die Kathedrale

Das Pariser Wahrzeichen Notre-Dame hat gebrannt. Hunderte Millionen Euro an Spenden sind bereits angekündigt.

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.

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Beklemmend: Die Pariser Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen.
Beklemmend: Die Pariser Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen.

Für Montagabend hatte Emmanuel Macron eine wichtige Fernsehansprache angekündigt. Der Präsident wollte Maßnahmen verkünden, um endlich die Gelbwesten zu bezähmen und deren Demonstrationen zu beenden. Der Hashtag macron20h machte längst die Runde. Doch dann kam eine Meldung, die ganz Frankreich den Atem anhalten ließ und den Präsidenten veranlasste, seine Rede aufzuschieben. Um 18.50 Uhr wurde Feueralarm in der Kathedrale Notre-Dame, ausgelöst - eines der größten Wahrzeichen der Stadt.

Minuten später schlugen schon erste Flammen aus dem Dach. Das Feuer war offensichtlich im Dachstuhl nahe dem Querschiff ausgebrochen. Dort überragte seit Wochen ein Gerüst das Dach, weil der 96 Meter hohe Spitzturm über dem Kreuz von Längs- und Querschiff restauriert werden sollte. Das Feuer breitete sich schnell aus. Schon nach einer Stunde hatte es fast die gesamte, 2000 Quadratmeter große Dachfläche, vor allem aber den Spitzturm erfasst, der umstürzte und das Dach sowie das Gewölbe darunter durchschlug.

400 Feuerwehrleute versuchten, den Brand zu löschen. Doch mit ihren 30 Meter langen Leitern und den 45 Meter langen Auslegern der ferngesteuerten Wasserspritzen reichten sie kaum an den Dachfirst, geschweige denn an die Türme heran. So mussten sich die Feuerwehrleute darauf beschränken, aus mehreren Tankwagen rund um das Gebäude Wasser im hohen Bogen auf den Brandherd zu richten und das Feuer so einzudämmen. Löschflugzeuge oder Hubschrauber mit Wasserbehältern konnten nicht eingesetzt werden, weil der Druck des Wassers die Struktur des Gebäudes destabilisiert und den Einsturz der Außenmauern provoziert hätte.

Zeitweise bestand die Gefahr, dass auch die beiden massiven Türme vom Feuer erfasst würden, doch die Brandherde wurden von Feuerwehrleuten erfolgreich bekämpft. Auch wurde verhindert, dass die Holzkonstruktionen im Innern verbrennen und die schweren Glocken in die Tiefe stürzen.

Aufgeschreckt durch Fotos und Videos vom Brand, die in sozialen Medien kursierten, machten sich viele Pariser auf den Weg zur Kathedrale auf der Seine-Insel Île de la Cité. Hinter den Polizeisperren wuchs die Menschenmasse ständig an. Beklommen verfolgten sie die Löscharbeiten. Als der Spitzturm umstürzte, ging ein Beben durch die Masse. Nicht wenige Menschen beteten, andere stimmten einen Kirchenchoral an. Auf dem Platz vor der Kathedrale fanden sich Politiker und andere Persönlichkeiten ein, darunter der Pariser Erzbischof Michel Aupetit. Er berichtete von den vielen Botschaften der Anteilnahme, die ihn aus allen Teilen Frankreichs und aus dem Ausland, von Christen und Anhängern anderer Glaubensgemeinschaften erreichten.

Selbst Präsident Emmanuel Macron machte sich vor Ort ein Bild von der Lage und erklärte: »Wie wohl alle Franzosen, so bin auch ich heute betroffen und traurig, mit ansehen zu müssen, wie dieses Symbol unserer Geschichte und Kultur verbrennt und damit ein Stück von uns.« Gleichzeitig betonte er: »Das Schlimmste konnte abgewendet werden.« Dank dem bewundernswerten Einsatz der Feuerwehr hätten die Außenmauern und die Türme der Kathedrale gerettet werden können. Macron schloss seine Ansprache mit den Worten: »Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen.« Eine landesweite Spendenaktion werde umgehend eingeleitet, kündigte der Präsident an.

Noch in der Nacht gingen die ersten Spendenzusagen ein: Die Stadt Paris kündigte 50 Millionen Euro an, der Luxusartikel-Milliardär François Pinault 100 Millionen Euro und sein ewiger Konkurrent Bernard Arnault sogar 200 Millionen Euro.

Gegen 3 Uhr nachts verkündete die Feuerwehr, dass der Brand gelöscht sei. Am Morgen nahm die Kriminalpolizei ihre Ermittlungen zur Brandursache auf. Die ersten Anzeichen deuten auf Fahrlässigkeit im Zusammenhang mit den Restaurierungsarbeiten hin. Gleichzeitig haben Spezialisten der Feuerwehr und der Bauinspektion damit begonnen, die Außenmauern, die beiden Türme und das Gewölbe auf Festigkeit und Schäden zu prüfen. Davon wird abhängen, ob und wie Notre-Dame wiederaufgebaut werden kann.

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