Werbung

Komiker Selenskyj gewinnt Präsidentschaftswahl

EU und NATO setzten auf gute Zusammenarbeit mit künftigem Staatschef

  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Kiew. Bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine hat der Politikneuling Wolodymyr Selenskyj triumphiert: Der Schauspieler und Komiker gewann laut Prognosen und Hochrechnungen rund 73 Prozent der Stimmen und deklassierte damit Amtsinhaber Petro Poroschenko. Dieser kam am Sonntag auf nur rund 24 Prozent und räumte noch am Wahlabend seine Niederlage ein. EU und Nato bekräftigten nach Selenskyjs Wahlsieg ihren Willen zu einer guten Zusammenarbeit.

»Ich werde euch niemals im Stich lassen«, versprach der 41-jährige Wahlsieger den Ukrainern. »Als Bürger der Ukraine kann ich allen post-sowjetischen Ländern sagen: 'Schaut auf uns! Alles ist möglich!'« Für die Ostukraine, in der Regierungstruppen seit Jahren gegen von Russland unterstützte Separatisten kämpfen, kündigte er neue Friedensgespräche an. Er werde »die Minsk-Gespräche fortsetzen, sie neu aufnehmen«.

Zudem versprach er, für die Rückkehr derjenigen Ukrainer zu sorgen, die in den von Separatisten kontrollierten Gebieten und in Russland festgehalten würden. Seit Beginn des Konflikts wurden rund 13.000 Menschen getötet. Der abgewählte Poroschenko kündigte an, den künftigen Präsidenten in der Übergangsphase zu unterstützen. Zugleich bekräftigte der 53-Jährige, er werde sich »nicht aus der Politik zurückziehen«.

Lesen Sie hier den Hintergrund: Politshow statt Fernsehdebatte

Auf Selenskyj warten gigantische Herausforderungen: unter anderem der Konflikt um die Ostukraine und mit Russland, die Wirtschaftskrise und die grassierende Korruption. Die westlichen Partner der Ukraine dürften sehr genau verfolgen, wie der politisch unerfahrene 41-Jährige seine Aufgaben angehen wird. Er hat versprochen, den pro-westlichen Kurs seines Vorgängers fortzusetzen.

EU und Nato gratulieren Selenskyj

EU-Ratspräsident Donald Tusk schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, die EU sei entschlossen, ihre Unterstützung für das Land fortzusetzen. Er sprach von einem »entscheidenden Tag für die Ukraine«. Freie Wahlen und ein friedlicher Machtwechsel seien Zeichen für eine »starke ukrainische Demokratie«.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg gratulierte dem Politikneuling zu seinem Wahlsieg. Die Ukraine sei ein »geschätzter« Partner der Nato. »Wir freuen uns darauf, unsere Kooperation fortzusetzen.« Glückwünsche für Selenskyj kamen auch von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda, dem britischen Außenminister Jeremy Hunt und der US-Botschaft in Kiew.

Russland wertet Wahl als Wandel

Russland, das 2014 die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim annektiert hatte, wertete das Wahlergebnis als Entscheidung für einen Wandel. Vize-Außenminister Grigori Karasin sagte laut der Nachrichtenagentur RIA Novosti, die neue Führung müsse nun in der Innen- und Außenpolitik »die Wünsche ihrer Wähler verstehen und umsetzen«.

Mit Selenskyj gewinnt einmal mehr ein Anti-System-Kandidat eine wichtige Wahl. Sein Erfolg zeigt das große Misstrauen der Ukrainer in die Politiker des Landes. Als Staatschef hat der 41-Jährige zwar eine sehr starke Stellung - allerdings verfügt er bislang über keine Parlamentsmehrheit. Die Parlamentswahlen sind bislang erst für den 27. Oktober vorgesehen.

Die Leiterin der Wahlbeobachtungsmission des Europäischen Parlaments in der Ukraine, Rebecca Harms, sprach von einer »ruhigen, sehr gut organisierten« Präsidentschaftswahl. Sie und die anderen Mitglieder der EU-Parlamentsdelegation hätten »keine Vorfälle« beobachtet. Allerdings werde die Gesamtbilanz gemeinsam mit den OSZE-Wahlbeobachtern erst am Montag gezogen. AFP/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!