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Der Fortis Group den Zahn ziehen

Bekannter Mieterprotest in Friedrichshain zieht seine Kreise nun bis nach Schleswig-Holstein

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Berlin ist weit weg von Kiel. »Wir haben über 300 von knapp 1000 schleswig-holsteinischen Zahnärzten angeschrieben. Erst das hat die da oben dazu gebracht, sich etwas zu bewegen«, erzählt Synke Köhler aus der Samariterstraße 8 in Berlin-Friedrichshain.

Im Eckhaus Rigaer Straße 35/Samariterstraße 8 sind mindestens 24 Mietparteien von Verdrängung bedroht. Das Immobilienunternehmen Fortis Group hatte das Haus vor Jahresfrist erworben und Ende Dezember 2018 Modernisierungsmaßnahmen angekündigt. Zwei- bis dreifache Mietpreise wurden in Aussicht gestellt.

Die schockierte Mietergemeinschaft organisierte sich gegen die offenkundig unnötigen Modernisierungen und ging an die Öffentlichkeit. Zudem recherchierte sie die Methoden ihres neuen Eigentümers im Umgang mit Mieter*innen und fand heraus, dass hier nicht die erste alteingesessene Hausgemeinschaft, deren Haus in den letzten ein bis zwei Jahren in das Eigentum der Fortis übergegangen war, auf diese Art überrumpelt wurde. Etliche sind akut betroffen, unter anderem die nah gelegene Lenbachstraße 7. Auch hier wehren sich die Mieter*innen standhaft gegen die Verdrängung.

Bekannt wurde eine weitere »delikate Angelegenheit«, wie die LINKEN-Abgeordnete Gaby Gottwald es nennt: Die in Berlin angesiedelte Fortis Group unter der Geschäftsführung von Mark Heydenreich hat mit dem Versorgungswerk der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein einen Anteilseigner, der immerhin 25 Prozent an der Fortis hält. Werden also mit horrenden Mieterhöhungen in Berlin die Renten von Zahnärzt*innen in Schleswig Holstein finanziert? Wissen die Pflichtmitglieder, mit welchen Methoden ihre Altersvorsorge erwirtschaftet wird?

Gottwald fordert den Geschäftsführer des Versorgungswerks, Bruno Geiger, auf, vom Vetorecht im Unternehmen Gebrauch zu machen. Beim Versorgungswerk als Körperschaft des öffentlichen Rechts könnte man schließlich ein Interesse vermuten, nicht mit mieterfeindlichen Praktiken in Verbindung gebracht zu werden. Eine Reaktion erfolgte monatelang allerdings nicht.

Das bestätigt auch Synke Köhler. Allein die Fortis Group sei zuständig, habe man per Email seitens des Versorgungswerks angegeben. Dann berichten vor Kurzem die Kieler Nachrichten über die Mailaktion der Mieter*innen aus Berlin. Die »delikate Angelegenheit« war vor der sprichwörtlichen Haustür des Versorgungswerks angekommen. »Wir handeln im Interesse der Zahnärzte. Nicht alle entsprechen dem Klischee des Porschefahrers.

Von unseren Mitgliedern wohnen auch viele zur Miete.« Der Sprecher des Versorgungswerks bezeichnet die anfängliche »Nichtreaktion« der Geschäftsführung als »kommunikativen Fehler«. Noch am 9. April gibt Bruno Geiger per Pressemitteilung an, dass es der Zahnärztekammer nicht darum gehe, »durch drastische Mieterhöhungen die Renten ihrer Zahnärzte zu sichern«. In derselben Mitteilung versichert auch Fortis-Group-Geschäftsführer Mark Heydenreich, dass man von nun an in einem »sensiblen Dialog« mit »allen betroffenen Mietern« individuell prüfen werde: Mit einer Mieterhöhung um das Dreifache sei nicht zu rechnen. Man habe kein Interesse, »Mieter zu verlieren«.

Tatsächlich hat es am 15. April ein Gespräch mit Mieter*innen der Lenbachstraße gegeben. Von zurück genommenen Modernisierungsankündigungen war keine Rede. Nun sind Einzelgespräche angesetzt. »Hinhaltetaktik« nennt das Synke Köhler. Oder soll man eher sagen: langsames Weichkochen? Bisher haben die Lösungen, die das Unternehmen vorschlug, meistens bedeutet, dass Leute auszogen. Ob Bruno Geiger die Ankündigung von Mark Heydenreich überprüfen wird? »Davon gehe ich aus«, sagt sein Pressesprecher.

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