Im Schloss Wackerbarth kann man hören und sehen, wie Sekt entsteht.

Ein genüssliches Fest für die Sinne

nd-Leserreise auf den Spuren August des Starken entlang der Sächsischen Weinstraße

Von Heidi Diehl

Haben Sie Lust auf etwas Besonderes? Dann habe ich was für Sie: eine genüssliche Reise für die Sinne, ein Fest für Augen, Ohren, Geschmack und Gefühl! Das alles können Sie erleben, wenn Sie mich auf einer Reise entlang der Sächsischen Weinstraße begleiten. Versprochen!

Zwei Tage werden wir immer wieder auf den Spuren August des Starken wandeln. Los geht’s im Pillnitzer Königlichen Weinberg. Natürlich verkosten wir dort auch, was aus den Trauben im Laufe eines Jahres so wird. Doch zunächst begeben wir uns in die Weinbergskirche, ein Kleinod der besonderen Art mit einer ganz besonderen Geschichte. Und die fängt mit August dem Starken an. Denn das (heute wieder) schmucke Kirchlein, mitten im Weinberg genau gegenüber dem Schloss Pillnitz gelegen, verdanken wir gewissermaßen dem schlechten Gewissen des genusssüchtigen und lebenslustigen August des Starken. Der plante nämlich, sein 1720 erbautes Pillnitzer Wasserpalais großzügig zu erweitern, wobei ihm die Kirche auf dem Gelände im Weg war. Kurzerhand ließ er sie im Mai 1723 abreißen; doch um allen Protesten gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen, ordnete er einen Neubau in seinem Weinberg auf der anderen Elbseite an. Schon 18 Monate später wurde die Kirche eingeweiht. Ihr weiteres Schicksal kannte viele Höhen und Tiefen. Dass sie heute wieder ein absolutes Schmuckstück ist, verdankt sie einer Gruppe hoffnungsloser Optimisten.

Einer von ihnen ist Walter Rogge, ein ehemaliger Lehrer und Hobbywinzer. Er freut sich schon, Sie, liebe Leserinnen und Leser, auf »seiner« Parzelle begrüßen zu dürfen. Dort wird er Ihnen nicht nur Erstaunliches über die Kirche erzählen, sondern auch gern ein paar Flaschen seines Selbstgemachten entkorken. Ganz oben im Königlichen Weinberg pflegt und hegt er seit Jahrzehnten 1000 Stöcke Riesling, Weisburgunder und Traminer. Lassen Sie sich von ihm erzählen, was es mit der langen Geschichte des Weinbergs auf sich hat. Und bestimmt spielt er uns zuletzt auch noch etwas auf seinem Saxofon vor. Ich bin mir schon jetzt sicher, dass Sie diesen besonderen Platz nur sehr ungern wieder verlassen werden. Doch ich verspreche Ihnen, dass es genauso genüsslich weitergeht.

Am Abend sind es nur wenige Schritte vom Hotel zum nächsten Höhepunkt der Reise, einem Konzert in der Frauenkirche. Wenn Sie danach noch Lust und Laune haben, empfehle ich Ihnen einen Bummel hinunter zur Elbe, um die nächtliche Silhouette Dresdens zu bestaunen. Am nächsten Morgen dann werden Sie den Canaletto-Blick auf die Stadt noch einmal von einem der historischen Raddampfer aus genießen können, der uns nach Radebeul bringt. Übrigens: Wussten Sie, dass die neun historischen Raddampfer auf der Elbe weltweit die älteste und größte Flotte ihrer Art bilden? 1835 wurde sie gegründet, der älteste noch verkehrende Raddampfer, der heute den Namen »Stadt Wehlen« trägt, lief 1879 in einer Dresdner Werft vom Stapel.

Ob uns dieses Schiff zum Schloss Wackerbarth bringt, kann ich nicht versprechen. Wohl aber, dass Sie dort eine Welteinmaligkeit erleben werden. Denn das heutige Sächsische Staatsweingut ist gleichzeitig das erste Erlebnisweingut Europas. Hier erfahren Sie alles über die Sektherstellung, jenes prickelnde Getränk, das seit 183 Jahren in Wackerbarth in der klassischen Flaschengärung produziert wird. Mehr noch, Sie werden sehen, hören und natürlich schmecken, wie sich drei Grundweine zu einer Cuvée »vermählen«, die viel mehr als die Summe ihrer einzelnen Teile ist. Das gibt es so sonst nirgendwo auf der Welt! Lassen Sie sich überraschen.

Allein schon die weitläufige Anlage wäre eine Reise wert. Zu verdanken haben wir sie einem der engsten Vertrauten August des Starken: August Christoph Graf von Wackerbarth. Dieser hatte sich in das Fleckchen Erde verguckt und investierte 1727 einen Teil seines Geldes, das er mit diversen Geschäften im Auftrage Augusts gemacht hatte, in dortige Weinberge, Felder und Wiesen. Er ließ sich vom Dresdner Hofarchitekten Johann Christoph Knöffel ein Schloss als Alterssitz bauen und einen reizvollen Barockgarten mit einem Belvedere anlegen, von wo aus er sein kleines privates Reich inmitten steiler Weinhänge gut überblicken konnte. Dorthin lud Graf Wackerbarth oft seine blaublütigen Freunde ein. Auch August der Starke becherte gern mit seinem Kabinettsminister in »Wackerbarths Ruh«.

Heute darf sich hier jeder wie ein König fühlen, durch Schloss und Weinberge flanieren, Sekt schlürfen und vom Belvedere aus die Aussicht genießen. Auch wir werden uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Später dann verabschieden wir uns im hoch über den Weinbergen gelegenen »Spitzhaus« mit einem letzten Blick vom Sächsischen Elbland, bevor wir voller Erlebnisse - und bestimmt auch mit so mancher Wein- und Sektflasche im Gepäck - den Heimweg antreten.