Danke, Yannic Hendricks!

Für den Denunzianten von Abtreibungsärztinnen muss das Hamburger Urteil tragisch sein, meint Lotte Laloire

  • Von Lotte Laloire
  • Lesedauer: 2 Min.

Einen »backlash effect« nennt die Bewegungsforschung das, was dem Abtreibungsgegner Yannic Hendricks diesen Freitag passiert ist. Übersetzt heißt das: Der eigene Aktivismus führt zu einer Gegenreaktion, die man nicht gewollt hat, die einen sogar vom Ziel wegführt. Das Ziel Hendricks’ scheint zu sein, Frauen das Leben schwerer zu machen. Dafür zeigte er systematisch Frauenärzt*innen an, die über Schwangerschaftsabbrüche informieren – darunter die Gießener Ärztin Kristina Hänel.

Als Feminist*innen sich darüber empörten und Hendricks’ Namen öffentlich nannten, klagte er auf Unterlassung. Damit scheiterte er schon im Januar vor dem Düsseldorfer Landgericht. Nun wies selbst die als konservativ geltende Pressekammer des Landgerichts Hamburg seine Klage gegen die Pro-Familia-Vorsitzende Kersten Artus ab: Yannic Hendricks muss die Nennung seines Namens hinnehmen. Neu hinzu kommt: Auch Zeichnungen von ihm dürfen verbreitet werden. An der Fassade des Hamburger linken Zentrums »Rote Flora« hatte ein riesen Porträt von ihm gehangen. Das »nd« und andere Medien veröffentlichten Fotos davon. Hendricks warf dann Kersten Artus vor, dass sie Berichte wie die des »nd« im Internet geteilt hat. Auch damit ist er nicht durchgekommen.
Stattdessen sind dank seines »Aktivismus’« diejenigen, die er denunziert hat, näher zusammengerückt. Die Abschaffung des Informationsverbots (Paragraf 219a Strafgesetzbuch) ist in aller Munde. Auch wenn das neue Urteil, das absehbar war, noch nicht rechtskräftig ist, hat Hendricks die feministische Bewegung längst gestärkt. Für einen angehenden Mathematiker beweist das erstaunlich wenig strategisches Denkvermögen.

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