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In der Image-Talsohle

Aus Team Sky wurde Team Ineos, das nun ausgerechnet im Fracking-Gebiet Yorkshire seine Rennpremiere erlebt

  • Von Tom Mustroph, Leeds
  • Lesedauer: 4 Min.

Ausgebuht zu werden, gehörte einst zum Alltag der Radprofis von Team Sky. Die Dominanz bei den großen Rundfahrten machte den britischen Rennstall zum Ziel manchen Unmuts. Hinzu kamen Affären im Graubereich der Leistungssteigerung bei Chris Froome und Kollegen. Genügend Geld, um sich diese dominante Position zu erhalten, hat Teammanager David Brailsford trotz Ausstieg des Hauptsponsors Sky aufgetrieben. Den auf etwa 35 Millionen Dollar geschätzten Jahresetat übernahm am 1. Mai der Chemiekonzern Ineos.

Damit handelte sich Brailsford aber Ärger in bisher ungewohntem Ausmaß ein. Denn Ineos ist bekannt für Fracking. Für Fracking in Yorkshire. »Ineos hat allein in Yorkshire für Gebiete von insgesamt 2000 Quadratkilometer Lizenzen für Fracking«, sagte Simon Bowens von der NGO »Friends of the Earth« gegenüber »nd«. Ausgerechnet in Yorkshire stellte sich das Team auch den Medien vor und wird bei der Tour of Yorkshire erstmals in den neuen Trikots ein Rennen bestreiten.

»Es ist eine Frechheit, dass Ineos-Besitzer Jim Ratcliffe ausgerechnet in Yorkshire, wo er so viele Fracking-Lizenzen hat, das Team vorstellt. Er hätte auch bis zur Tour de France warten können«, empört sich Steve Mason von »Frack Free United«, der Koordinierungsstelle vieler Fracking-Proteste. Mason fuhr mit »nd« hinaus in die Hügellandschaft im Norden von Yorkshire. Saftiges Grün war zu sehen, ein paar Schafe grasten, immer wieder unterbrachen Baumgruppen die Hügellandschaft. »Hier links hat Ineos Lizenzen erworben. Rechts , in etwa zwei Meilen Entfernung, hat Third Energy, ein anderes Unternehmen, Lizenzen für Fracking. Mal dir selbst aus, wie das hier zu einer Industrielandschaft wird, wenn es zum Fracking kommt«, meint Mason. Etwa 50 Meter hoch sollen die Türme werden. »Sie werden im Abstand von anderthalb Kilometern stehen. Hinzu kommt der ganze Verkehr. Das Gas wird abtransportiert, Chemikalien, die in die Erde hineinkommen, müssen gebracht werden. Und jedes einzelne Bohrloch produziert täglich einige Tankerfüllungen an Abwasser«, erklärt Masons Mitstreiter Philip Tate. Tate gehört das Anwesen, das von den Fracking-Lizenzen umzingelt ist.

Tate ist nicht der einzige, dem es so geht in Yorkshire. »Für 40 Prozent der gesamten Fläche von Yorkshire sind 2015 Lizenzen vergeben worden«, sagt »Friends of the Earth«-Mitarbeiter Bowens. Weil Fracking so nahe an die eigenen Häuser kommt, ist daher fast überall Alarmstimmung ausgebrochen. Es gibt Anti-Fracking-Initiativen in den kleinsten Dörfern wie in den Metropolen. In Manchester etwa, der Heimatstadt des Teams Ineos, hat der Stadtrat von »Greater Manchester« einen offiziellen Fracking-Bann ausgesprochen.

Das war lange vor dem Sponsorenwechsel im Radsport. Jetzt aber mobilisiert der Widerspruch zwischen Radsport, also einer körperlichen Betätigung in der freien Natur, und einem Radsportsponsor, der Fracking und Plastikproduktion zu seinen Kerngeschäftsfeldern zählt.

»Es ist ein Schlag ins Gesicht, für alle, die Radsport lieben«, sagt Allan Challenger von »Frack Free Manchester«: »Es ist ganz klar eine Art von Greenwashing. Ineos produziert Plastik, was ein anderes Umweltproblem ist. Und Ratcliffe ist am Gas vor allem als Rohstoff für die Plastikproduktion interessiert. Damit hat er zwei PR-Probleme. Das eine ist Fracking und das andere ist Plastik«, konstatiert Challenger.

Die Fracking-Gegner machen daher mobil. 15 000 Masken mit dem Antlitz von Ineos-Besitzer Ratcliffe hat »Frack Free United« verteilt. Sie werden am Rande der Strecke der Tour of Yorkshire zu sehen sein. »Wir haben aber nicht das Rennen im Visier. Ineos ist der Gegner. Das Rennen zeigt die besten Seiten von Yorkshire. Und das wollen wir schützen. Wir wollen nicht, das irgendjemand das Rennen unterbricht«, versichert Mason.

Der Druck der Umweltgruppen in Yorkshire war schon bei der Präsentation des neuen Teams zu spüren. Der Ort, das »The Fountaine Inn« in Linton, wurde aus Angst vor Störungen lange geheim gehalten. Journalisten durften ohnehin nur auf persönliche Einladung teilnehmen.

Beherrschendes Thema war dann aber auch dort Fracking. Teammanager Brailsford wand sich, und betonte, keine große Ahnung von Chemie zu haben. Ineos-Gründer Ratcliffe ging hingegen in die Offensive und behauptete: »Ich würde Fracking nicht betreiben, wenn es gefährlich wäre. Alles was man macht, ist Wasser in die Tiefe zu pumpen.«

Damit dürfte er für weiteren Zuschauerzustrom an der Strecke der Tour de Yorkshire gesorgt haben - für einen Zustrom von Fracking-Gegnern. Für die Rennfahrer des neuen Teams wird der Auftritt in der Heimat nun atmosphärisch härter als selbst jede Tour.

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