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Ab heute leben wir auf Pump

Umweltverbände: Deutschland verbrauchte bis Anfang Mai bereits Ressourcen für das gesamte Jahr

  • Lesedauer: 3 Min.

Berlin. Deutschland hat bereits in den ersten vier Monaten so viele Ressourcen verbraucht, wie dem Land eigentlich für das gesamte Jahr zur Verfügung stehen. Auf den nationalen sogenannten Erdüberlastungstag an diesem Freitag wiesen die Umweltschutzorganisationen Germanwatch und BUND hin. Im Vorjahr hatte der deutsche Erdüberlastungstag auf dem 2. Mai gelegen, 2017 sogar bereits auf dem 24. April.

»Wäre der Ressourcenverbrauch der Weltbevölkerung so groß wie in Deutschland, dann hätte sie schon bis zu diesem Zeitpunkt die regenerierbaren Ressourcen verbraucht, die ihr für das gesamte Jahr zur Verfügung stehen«, schrieb dazu Germanwatch. »Die Menschen hierzulande leben ab dem 3. Mai daher auf Kosten kommender Generationen und der Menschen im globalen Süden, die deutlich weniger verbrauchen, aber stärker von den ökologischen Folgen betroffen sind.«

Würden alle Staaten der Welt so wirtschaften wie Deutschland, und alle Menschen so leben wie hierzulande, bräuchte die Menschheit drei Erden, um ihren Ressourcenverbrauch zu decken, kritisierte der BUND. »Deutschland lebt ab heute auf Pump und verschwendet großzügig die Lebensgrundlagen anderer Länder und zukünftiger Generationen«, erklärte der politische Geschäftsführer der Organisation, Olaf Brandt, am Donnerstag in Berlin.

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Als Gründe dafür nannte der BUND unter anderem einen viel zu hohen Energieverbrauch, den steigenden CO2-Ausstoß im Verkehr und in der Massentierhaltung sowie die Verunreinigung von Böden, Luft und Grundwasser. »Sowohl beim Klimaschutz als auch bei der Ressourcennutzung agiert die Bundesregierung, als ob es kein Morgen gäbe«, kritisierte Kira Heinemann vom Vorstand der BUND-Jugend. Sie kündigte dagegen Widerstand ihrer Generation an, so im Rahmen der Fridays-for-Future-Proteste.

Der Rückgang bei den CO2-Emissionen in Deutschland 2018 sei auf den milden Winter, höhere CO2-Preise im Emissionshandel und das Schließen von Kohlekraftwerken zurückzuführen, erklärt Julia Otten von Germanwatch. Maßnahmen dagegen? »Notwendig wäre ein stabiler Rückgang der Emissionen mit doppelter Geschwindigkeit. In allen Sektoren muss mit verbindlichen Zielen und einem steigenden CO2-Preis umgesteuert werden. Dafür brauchen wir ein Klimaschutzgesetz«, so Otten

Auf wessen Kosten leben wir?

»Wir müssen uns fragen, auf wessen Kosten unser ressourcenintensiver Lebensstil in Deutschland geht - und ob es nicht solidarischere Formen gibt, unsere Bedürfnisse zu befriedigen«, sagt Kristina Utz von der wachstumskritischen Organisation FairBindung.

Die Daten für Deutschland liegen jeweils deutlich vor denen der globalen Erdüberlastungstage, die derzeit in der Regel Anfang August liegen. Berechnet wird der Termin jährlich vom Global Footprint Network. Weltweit lag der Erdüberlastungstag noch um die Jahrtausendwende Ende September und rückte anschließend immer weiter nach vorne. Seit einigen Jahren bleibt der Termin ungefähr stabil. Agenturen/nd

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