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Morddrohung gegen linken Journalisten

Der Betreiber eines Nachrichtenportals hat eine gewaltvolle E-Mail von mutmaßlich Rechten erhalten

  • Von Marion Bergermann
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Betreiber der linken Onlinenachrichtenseite »Beobachter News« hat eine Morddrohung erhalten, nachdem Neonazis bereits mehrmals sein Wohnhaus und sein Auto attackiert hatten.

Am 27. April bekam Alfred Denzinger nach Angaben von »Beobachter News« eine E-Mail von einem anonymen Absender in der unter anderem stand, er werde »wegen feindlicher Agitation gegen das deutsche Volk« zum Tode verurteilt. Auf Familie und Freunde sei keine Rücksicht zu nehmen. Laut der Nachrichtenseite kündigte der Absender, der als »Anonymous« angegeben war, außerdem an, Informationen über Denzinger an Aktivisten weiterzugeben. Dieser informierte die Polizei, nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart.

Der 61-Jährige, der seit 2011 die Webseite »Beobachter News« betreibt, entschied sich, diese Anfeindung öffentlich zu machen. Dass er wiederholt Ziel von mutmaßlich rechter Gewalt wurde, liegt an seiner Arbeit. Auf »Beobachter News« berichten er und andere über Demonstrationen von Rechtsextremen, Aktivitäten der AfD und über das Gebaren der Polizei auf öffentlichen Veranstaltungen. Aber auch von linken Kulturveranstaltungen und Protesten im süddeutschen Raum.

Wohl Ärger über seine Arbeit

Nach der Drohung sagte der sich als libertärer Sozialist bezeichnende Familienvater Denzinger über die potenziellen Täter: »Es stinkt ihnen, dass ich ständig über ihre rechten Machenschaften berichte. Im süddeutschen Raum gibt es kein vergleichbares Medium, das über rechte Umtriebe entsprechend berichtet.«

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) bei ver.di »verurteilt die feigen Übergriffe und jetzt sogar Morddrohungen gegen den Journalisten Alfred Denzinger auf das Schärfste«, sagte dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Berger. »Wir dürfen uns bei der Ausübung unserer Arbeit nicht einschüchtern lassen, um Neonazi-Schlägern oder anderen Feinden der Demokratie nicht das Feld zu überlassen.«

Nach der Morddrohung informierte sich Denzinger beim Staatsschutz, wie er sich legal gegen tätliche Angriffe schützen könne. »Ich nehme das ernst, ich traue denen das durchaus zu«, sagte der Journalist dem »nd«. Zwar gehe er nicht davon aus, dass der Absender der E-Mail seine Drohungen in die Tat umsetze. Aber auch die bisherigen Anschläge auf sein Haus habe ja jemand ausgelöst, jemand hätte seine private Adresse ausfindig gemacht.

Erst Mitte April hatten Unbekannte seinen Namen, seine private Adresse sowie die Namen von anderen Linken in Sulzbach bei Stuttgart an eine Wand gesprüht. Die aggressive E-Mail und diese Schmierereien könnten auch damit zusammenhängen, dass Denzinger vor Kurzem in einem SWR-Beitrag über einen ebenfalls bedrohten Fotografen aus Heidelberg gesagt hatte, die Politik könne dafür sorgen, »solche Hetzseiten wie Pi-News oder Journalistenwatch, dass denen untersagt wird, solche Dinge in Umlauf zu bringen.«

Kurz darauf berichtete die rechte Plattform »PI-News« über den ehemaligen Versicherungsmakler. »Die ganzen Reaktionen sind im Prinzip eine Bestätigung, dass wir unsere Arbeit richtig machen«, sagte er dem »nd«.

VW-Bus statt Porsche

In den Fällen, in denen Denzingers Haus und Auto in seinem Wohnort östlich von Stuttgart beschmiert und beschädigt wurden, ermittelt die Polizei, bisher ohne Ergebnis. »Die Polizei hat offensichtlich kein Interesse daran zu helfen, weil wir kritisch über sie berichten«, sagt Denzinger.

Die »Beobachter News« betreibt er in Vollzeit, seitdem er seinen Job als Versicherungsmakler beendete, seine gut gehende Firma verkaufte und den Porsche, mit dem er nach eigenen Erzählungen zu Treffen im linken Zentrum bei ihm in der Nähe vorfuhr, gegen einen VW-Bus eintauschte. In dem habe er Platz, um zu arbeiten.

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