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Kurienkardinal Konrad Krajewski stellt Hausbesetzern in Rom den Strom wieder an und bringt damit eine Stromfirma und den italienischen Innenminister gegen sich auf

  • Von Nelli Tügel
  • Lesedauer: 2 Min.

Italiens Innenminister Matteo Salvini ist er ein Dorn im Auge, anderen gilt er als Held: Konrad Krajewski, seines Zeichens Kurienkardinal und seit 2013 Päpstlicher Almosenier. Am vergangenen Samstag sorgte Krajewski dafür, dass mehr als 400 Menschen wieder Strom beziehen. So sei der 55-Jährige, berichtet der Bayerische Rundfunk, in einen »Schacht geklettert, hatte einen Verteilerkasten geknackt und einen gesperrten Stromanschluss ohne Erlaubnis freigeschaltet«.

Dafür erstattete der Netzbetreiber Areti Anzeige wegen Stromdiebstahls - und Salvini pöbelte, Krajewski solle nun auch arme italienische Familien unterstützen, die »trotz aller Schwierigkeiten ihre Rechnungen bezahlen«, wovon sich der Geistliche allerdings nicht beeindrucken ließ. Er erklärte gegenüber der Presse, wenn nötig, werde er »die künftigen Stromrechnungen« des betroffenen Hauses begleichen. Und: »Auch diejenigen Salvinis, wenn er es wünscht.«

Den Bewohnern des seit 2013 besetzten Bürogebäudes in Rom war der Strom abgestellt worden, weil Rechnungen in Höhe von 300.000 Euro nicht beglichen werden konnten. In dem Haus sollen viele Familien leben, darunter auch 100 Kinder, zum Teil Geflüchtete. Es ist nicht das erste Mal, dass Krajewski die Bewohner unterstützt.

Der 1963 im polnischen Łódź geboren Krajewski war kurz nach der Wahl von Papst Franziskus im Jahr 2013 zum Almosenmeister ernannt worden. Zuvor diente er bereits Papst Johannes Paul II. in anderer Funktion. Als Almosenier machte Krajewski schon mehrfach auf sich aufmerksam, zuletzt im Februar, als er ein Requiem für einen in Italien verstorbenen polnischen Obdachlosen feiern ließ.

Und auch wenn er einer in Teilen erzreaktionären Institution angehört, bleibt Krajewski nicht im rein karitativen Lindern von Not verhaftet, sondern schlägt durchaus auch sozialkritische Töne an: So sei die eigentliche Frage, zitiert der österreichische »Standard« aus Rom den Geistlichen, wie es komme, »dass in einer Stadt wie Rom so viele arme Menschen in einer derart misslichen Situation leben müssen?«

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