Schneewittchen und der Führer

Ein neues Buch erzählt von der Liebe Hitlers und Stalins zum Hollywoodkino und zu Micky Maus

  • Von Wolfgang M. Schmitt
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Ein Ort der Unschuld war das Kino einst für den nun 96-jährigen Literaturwissenschaftler Peter Demetz. Mit seinem Kinderfräulein ging er in Brünn, der Hauptstadt Mährens, regelmäßig in eines der 38 Kinos. Das war Anfang der 1930er Jahre. Im Spätherbst 1944 aber kann Demetz dieser Leidenschaft nicht mehr nachgehen: Die Gestapo bringt ihn in Brünns alte Strafanstalt, aus seiner Zelle heraus blickt der Sohn einer jüdischen Mutter auf sein Stammkino gegenüber. Nicht nur die Zeit, auch die Leinwand war nicht länger unschuldig. Die Nazis setzten das Kino zu ideologischen Zwecken ein, sie produzierten wie am Fließband Propagandastreifen und nur scheinbar harmlose Unterhaltungsfilme wie »Die Feuerzangenbowle«. Adolf Hitler war nicht der einzige Diktator, der sich die Macht der bewegten Bilder zunutze machte, auch sein faschistischer Kollege Benito Mussolini sowie der sozialistische Antipode Josef Stalin setzten auf die große Leinwand. »Diktato...

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