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Stigma statt Integration

Jana Frielinghaus über das Verbot des »Kinderkopftuchs« in Österreich

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 1 Min.

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Eine Schülerin mit Kopftuch nimmt am 27.01.2009 am Unterricht in einer Schule teil. Berliner Lehrer und Sozialarbeiter sollen für Diskussionen mit Jugendlichen über Islam und Islamismus besser geschult werden.
Eine Schülerin mit Kopftuch nimmt am 27.01.2009 am Unterricht in einer Schule teil. Berliner Lehrer und Sozialarbeiter sollen für Diskussionen mit Jugendlichen über Islam und Islamismus besser geschult werden.

Der Trend ist auch an deutschen Schulen zu beobachten: Die Zahl der Erstklässlerinnen, die im Unterricht ein Kopftuch tragen, wächst. Dies, obwohl selbst konservative Imame meinen, dass Mädchen es erst aufsetzen sollten, wenn sie in die Pubertät kommen. Aus freien Stücken entscheiden sich aber auch Teenager häufig nicht für das Kopftuch.

Ein Verbot des »Kinderkopftuchs«, wie es die rechtskonservative Koalition in Österreich jetzt beschlossen hat, stärkt Mädchen jedoch nicht. Im Gegenteil: Es vertieft die Gräben zwischen islamophober Mehrheitsgesellschaft und konservativen Muslimen. Und es fördert Radikalisierungstendenzen bei letzteren. Denn das Verbot richtet sich ausdrücklich nicht gegen Kleidungsstücke, die die Zugehörigkeit zu anderen Glaubensgemeinschaften symbolisieren. Zudem sind Bildungseinrichtungen in Österreich, anders als etwa in Frankreich, eben nicht generell eine religionsfreie Zone.

Weil das auch in der Bundesrepublik so ist, wäre ein Kopftuchverbot, wie es die Organisation Terre des Femmes sogar bis zur Volljährigkeit fordert, ähnlich verheerend wie im Nachbarland. Denn in vielen Bundesländern zieren christliche Kreuze die Klassenräume, und es gibt Religionsunterricht, aber meist nur christlichen. Solange Schulen nicht weltanschaulich neutrales Terrain sind, würde jedes Kopftuchverbot Ausgrenzung, Stigmatisierung und damit die von Politikern beklagte Bildung von Parallelgesellschaften fördern.

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