Zum Freiwild erklärt

Was die kritischen Schriftsteller in Indien zu den Wahlen sagen

  • Von Dominik Mülle, Neu-Delhi
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Derzeit wird in Indien gewählt, in mehreren Etappen. Viele Intellektuelle und Schriftsteller warten mit Spannung auf die Ergebnisse, die Ende Mai verkündet werden. Einige - etwa Geetanjali Shree, Rahman Abbas und Arundhati Roy - haben Sorge, dass die aktuelle, hindu-nationalistische Regierung abermals die Wahl gewinnt: Weil sie sich kritisch mit der Ideologie der rechten Hindutva-Bewegung auseinandergesetzt haben oder weil sie selbst zu einer Minderheit gehören, die sie in den Augen der rechten Regierung zu Bürgern zweiter Klasse oder gar zu Feinden macht.

Rahman Abbas hat als 20-Jähriger in einem muslimischen Viertel der Altstadt von Bombay miterleben müssen, wie Hindunationalisten ein Pogrom anzettelten. »Nachts waren überall Feuer zu sehen, Randalierer hatten die muslimischen Viertel ins Visier genommen, Häuser wurden zerstört, Menschen getötet«, erinnert sich Abbas, »die Polizei machte nichts«. Sein erster Roman »Nakhalistan Ki Tal...

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