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Shakehands mit Mitsubishi

Eine Delegation der Wirtschaft sucht mithilfe des Regierenden Kooperationen in Japan

  • Von Martin Kröger, Tokio
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wichtige Manager wie Satoshi Matsushita (r.) empfingen Michael Müller in der Konzernzentrale in Tokio.
Wichtige Manager wie Satoshi Matsushita (r.) empfingen Michael Müller in der Konzernzentrale in Tokio.

Berlin und Tokio verbindet nicht nur eine Städtepartnerschaft, die in diesen Tagen ihr 25-jähriges Bestehen feiert. Enge Beziehungen pflegen auch Unternehmen aus den beiden Metropolen, trotz der großen Entfernung von fast 9000 Kilometern. Auf einer Wirtschaftskonferenz der Industrie und Handelskammer Berlin (IHK) unterzeichneten das Berliner Unternehmen Alba und die Tokioter Firma SEIU am Montag eine weitere Kooperation. Beide Firmen wollen gemeinsam eine Recycling-Anlage für Plastikflaschen errichten. Auch in Japan spielen Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle. Die Konferenz der IHK stand denn auch unter dem Motto: »Tokyo-Berlin: Common Challenges - Shared Solutions«. Auf deutsch: Gemeinsame Herausforderungen, geteilte Lösungen.

In Zeiten der Brexit-Debatte, von Handelskriegen und immer mehr protektionistisch handelnden Regierungen sucht auch die Berliner Wirtschaft ihr Heil in Fernost. »Die gegenseitige Öffnung der Märkte ist ein gleichgesinnter Brückenschlag«, erklärte der IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder mit Blick auf die neuen Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan. Denn eines ist absehbar: Mit dem sinkenden Binnenkonsum in Deutschland wird der langanhaltende wirtschaftliche Aufschwung auch in der Hauptstadtregion demnächst noch weiter an Dynamik verlieren. Viele Unternehmen, die seit Sonntag auf Einladung der IHK in der japanischen Hauptstadt Tokio sind, setzen deshalb auf neue Geschäftsbeziehungen. So erhofft sich beispielsweise die in Berlin stark prosperierende Gesundheitswirtschaft zusätzliche Geschäftsfelder in Japan. Ein Land, in dem bereits jetzt mehr als ein Drittel der Bevölkerung mit 126 Millionen Menschen über 68 Jahre alt ist - und das aufgrund dieser demografischen Entwicklung vor enormen Herausforderungen steht.

Als Türöffner und als Unterstützer begleitet Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) die Wirtschaftsdelegation auf ihrer Reise nach Tokio. Am Montagnachmittag (Ortszeit) traf der Senatschef mit Spitzenvertretern des Managements von Mitsubishi Electronic zusammen. Es gab »Shakehands«, Hände wurden geschüttelt, und Geschenke und Höflichkeiten mit dem Spitzenmanagement um Satoshi Matsushita ausgetauscht, der als Präsident des Konzerns für die strategische Planung des global agierende Konzerns zuständig ist. Das japanische Unternehmen beschäftigt sich seit Längerem unter anderem intensiv mit der Technologie des Autonomen Fahrens. Aber auch mit der Idee, dass Elektro-Autos in Zukunft nicht mehr nur als Fortbewegungsmittel dienen, sondern in einer vernetzten Gesellschaft auch als Teil des Energiesystems. Wenn das Fahrzeug steht, soll es zukünftig gegebenenfalls auch Energie abgeben. Es dient quasi als fahrende Batterie.

In diesen Bereichen - Digitalwirtschaft, Smart City und Autonomes Fahren - wähnt sich auch Berlin vorne. »Wir haben ein großes Interesse, zu einer noch stärkeren Kooperation zu kommen«, erklärte Michael Müller am Montag beim Besuch der Firmenzentrale von Mitsubishi Electric. Berlins Regierender Bürgermeister warb bei den Japanern mit den Pfunden der Hauptstadt: Den 200 000 Studierenden aus aller Welt, die an den vier Berliner Universitäten studieren und der Startup-Szene, die als besonders florierend und anziehend gilt. Zudem will Berlin in den Zukunftsfeldern auch mit eigenen Teststrecken für Autonomes Fahren und Pilotprojekten aufwarten. Um den Managern von Mitsubishi Electric die Vorzüge Berlins aufzuzeigen, lud der Regierende die Vertreter des japanischen Konzerns nach Berlin ein.

Gut möglich, dass die Japaner tatsächlich den Weg nach Berlin finden. Natürlich ist Mitsubishi Electric mit diversen Firmen seit Langem in Europa aktiv. Ob die Japaner aber tatsächlich Nachhilfe bei der Erschließung von Zukunftsfeldern brauchen, ist zu bezweifeln. Hypermoderne Gebäude, die keine schädlichen Treibhausgase mehr ausstoßen und ihren Energieverbrauch aus eigenen Solarzellen beziehen sowie sehr schnelle Internetverbindungen gibt es in Japan natürlich auch.

Und beim Thema des sogenannten Autonomen Fahrens will Tokio im kommenden Jahr bei den Olympischen Spielen zeigen, was möglich ist. Selbstfahrende Busse sollen bei den Spielen unter anderem Hotels mit den Sportstätten verbinden. »Wir werden ihnen den Level des Autonomen Fahrens zeigen«, sagt ein Mitsubishi-Manager.

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